Europäischer Automarkt
Toyota mimt den sanften Angreifer

Der japanische Autobauer nimmt Europa stärker ins Visier. Dabei setzt Toyota vor allem auf den Vorsprung in der wichtigen Hybridtechnologie. Doch die Hybridmodelle kommen in Europa noch nicht richtig in Fahrt.
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GenfDie meisten asiatischen Kampfsportarten folgen einfachen Regeln: Kämpfer respektieren ihren Gegner, zeigen Demut, konzentrieren sich auf die eigene Stärke, und verteidigen sich nur im Notfall. Es sind einfache Regeln, die der Strategie Toyotas ähneln, um das Rennen um die Weltmarktführerschaft für sich zu entscheiden. Nun nimmt der Konzern Europa ins Visier – und plant die Attacke auf Marktführer VW.

Seit die Folgen des Erdbebens von 2011 überwunden sind und der Wechselkurs des Yens wieder niedrig ist, sind die Japaner zurück in der Erfolgsspur. Dabei kann sich Toyota auf eine besondere Stärke verlassen, die sie gegenüber VW in der Hand halten. In der wichtigen Hybridtechnologie ist Toyota dem deutschen Konkurrenten voraus. Volkswagen muss darum Milliarden in eine Technologie investieren, die der Konzern mit Werbekampagnen jahrelang bekämpft hatte.

„Wir freuen uns, dass nun auch Volkswagen die Potentiale dieses Antriebs entdeckt hat“, sagt Toshiaki Yasuda, Deutschlandchef von Toyota. Als vergleichbar kleiner Hersteller könne es Toyota nur begrüßen, wenn auch der Marktführer in Europa diese Technologie stärker nutze.

Anders als Volkswagen verkauft Toyota die Hybrid-Technologie bereits in nahezu allen Klassen. Doch die Japaner haben ein Problem: gerade in Europa werden die Plug-In-Hybriden noch nicht angenommen. Durch die teuren Lithium-Ionen-Batterien rechnet sich der neue Antrieb für viele Autofahrer nicht. Auch die Infrastruktur ist derzeit nicht ausgelegt auf Fahrzeuge, die nach wenigen Kilometern an einer Steckdose geladen werden. Toyota will darum die Zulassungszahlen steigern, damit die Akzeptanz zunimmt und die Preise sinken. „Das schaffen wir mit jedem verkauften Plug-In-Hybriden“, sagt Yasuda.

Anders als der koreanische Konkurrent Kia plant Toyota in Europa keine Designrevolution. Doch das Selbstbewusstsein und die Eigenständigkeit der europäischen Sparten im Konzern ist größer geworden. „Früher wurden die meisten Entscheidungen für Europa noch in Tokio getroffen“, sagt Yasuda. Künftig will Toyota sich künftig stärker am Geschmack der Europäer orientieren.

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  • "Künftig will Toyota sich künftig stärker am Geschmack der Europäer orientieren. "

    Die Europäer haben einen guten Designgeschmack, der sich durch viele Kunstumbrüche über viele Jahrzehnte etablierte. Ohne japanische Einflüsse wäre der Jugendstil wahrscheinlich anders verlaufen. Im Autodesign muss TOYOTA dagegen mehr auf Europa zugehen. KIA/HYUNDAI importierte einfach Spitzendesigner um die "Linien" zu verstehen. TOYOTA nicht. QOROS die Chinamarke ebenso.

    Langfristig werden sich die Linien doch ähneln, da "Erfolg" auch kopiert wird. Dann werden andere versuchen wieder "den" Modetrend zu erfinden. Autos der Zukunft sind längst im "völligen Lifestyle" angekommen. Technik wird zwar wichtig bleiben, aber die Kaufemotion erfolgt über Lifestyleattribute. Hier ist TOYOTA "schwach" ... noch. Aber was wäre auch schon eine Welt, wo alles "gleich" ist. TOYOTAS nüchterne Welt hat auch Reize. Leider sprechen diese weniger as "Bauchgefühl" an.

    TOYOTA hat zu spät gelernt, dass Design lernen - Kunden verstehen bedeutet und nicht "japanische Zentralweisheit", die andere einfach verstehen müssen. Technik kann verpackt werden - Design nicht.

    Etliche Hybride vermitteln "wenig Fahrspaß". Auch hier besteht Nachholbedarf.

  • "Auch die Infrastruktur ist derzeit nicht ausgelegt auf Fahrzeuge, die nach wenigen Kilometern an einer Steckdose geladen werden." Das ist kompletter Unsinn. Gerade deshalb sind es ja Plug-in-Hybride und nicht reine Batteriefahrzeuge. Sie müssen eben nicht nach wenigen Kilometern geladen werden.

  • ich hätte gern einmal eine seriöse beurteilung der hybrid -technoliogie. ich sehe nur lexus benötigt für den GS Vollhybrid 3 600ccm und für den normalen benziner 2500ccm. die vergleichbaren e- und 5er klasse haben aufgeladene 4 zylinder und bessere verbräuche. sind wir sicher, dss die ganze hybrid diskussion nicht wieder einepolitische zur schönen heilen welt ist?rWbxUU

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