Europäischer Markt im Blick
Japans Solarfirmen greifen in Deutschland an

Japans Hersteller von Solarzellen weiten ihre Produktion aus und investieren kräftig in neue Techniken. Als Absatzmarkt peilen sie vor allem Europa und dort auch Deutschland an. Denn aus Sicht der japanischen Solarindustrie stellt Deutschland auch eine Bedrohung dar.

TOKIO. Die größten Hersteller Sharp, Sanyo, Kyocera und Mitsubishi Heavy wollen ihre Kapazität im Schnitt verdoppeln, entwickeln Strategien, um einen Siliziumengpass zu umgehen, erhöhen den Wirkungsgrad ihrer Solarzellen und entwickeln Design-Varianten für den Einsatz in moderner Architektur.

Aus Sicht der japanischen Solarindustrie stellt Deutschland auch eine Bedrohung dar. Der Heimatmarkt Japan verliert an Attraktivität, seit vor zwei Jahren eine Förderung für Solardächer auslief. Seitdem hat Deutschland Japan als Markt für Solarzellen überholt. Dadurch überrundeten die Deutschen ihre Solar-Rivalen in Fernost erstmals auch bei der installierten Fläche und der hergestellten Strommenge. Die Subventionen für Solarstrom seien klug und zukunftsweisend von der deutschen Regierung, sagt ein Manager der japanischen Elektroindustrie. Sie begünstigten vor allem einheimische Hersteller. Doch er sei zuversichtlich, dass auch die Japaner über günstige Anlagen profitieren.

Um die Kosten zu senken, investieren Nippons Photovoltaiker kräftig in Technik. Knackpunkt ist dabei die akute Knappheit des teuren Rohstoffs Silizium. Daher setzt die Industrie auf Zellen, die weniger oder gar kein Silizium benötigen.

Weltmarktführer Sharp setzt vor allem Solaranlagen mit besonders dünner Siliziumschicht. Im Mai gehen in Katsuragi dreilagige Dünnschicht-Zellen in Produktion, die bei geringerem Materialeinsatz die Energieausbeute um 17 Prozent steigern. Um einmal ganz auf das Element verzichten zu können, entwickelt das Unternehmen Farbstoffzellen, bei denen organische Pigmente das Licht in Strom umwandeln.

Sharp investiert auch in der EU. Im britischen Wrexham verdoppelt Sharp die Kapazität auf 220 Megawatt pro Jahr. Sharp weist darauf hin, dass 20 südeuropäische Länder zuletzt Einspeisevergütungen nach deutschem Muster eingeführt haben. „Wichtige Absatzmärkte sind Spanien, Italien, Griechenland und Frankreich“, sagt Takashi Tomita, der bei Sharp den Geschäftsbereich Solarsysteme leitet. Besondere Hoffnungen hegt er für neuartige Zellen, die sich auch als Gestaltungselemente für moderne Architektur eignen, etwa halb transparente Platten, mit denen sich der Vorbau eines Wolkenkratzers so umspannen lässt, dass geheimnisvoll-bläuliches Licht einfällt. Auch Konkurrent Kyocera, Nummer drei auf dem Weltmarkt nach der deutschen Q-Cells, will die Produktion massiv erweitern. „In Europa planen wir die Weiterentwicklung unsers Solargeschäfts von unserem Herstellungszentrum in der Tschechischen Republik aus“, sagte eine Kyocera-Sprecherin. Branchenkreisen zufolge investiert Kyocera zwischen 40 und 50 Mrd. Yen, um die Produktion bis 2010 zu verdoppeln.

Auch der vierte Spieler auf dem Weltmarkt, Sanyo Electric, bleibt im Investitionswettlauf nicht zurück. „Wir bauen Teile unseres Werks in Shiga so um, dass wir dort künftig Solarzellen vom Typ Hit herstellen können“, sagt Hiroshi Inoue, der bei Sanyo für die Strategie des Geschäfts mit sauberen Energiequellen zuständig ist. Insgesamt steckt Sanyo in diesem Jahr rund neun Mrd. Yen in eine Erweiterung der Solarkapazitäten von 65 Prozent. Für den europäischen Markt baut Sanyo Solaranlagen in Ungarn, die eigentlichen Zellen kommen jedoch alle aus Japan.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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