Europas größter Autobauer mit Modelloffensive
Ärger bei VW über Streit mit Porsche-Betriebsrat

VW-Personalvorstand Horst Neumann hat den Mitbestimmungsstreit mit Porsche als ärgerlich bezeichnet. Er hofft aber wie VW-Chef Martin Winterkorn auf eine schnelle und einvernehmliche Lösung. Winterkorn begrüßte Porsches Plan, den Anteil an VW von derzeit knapp 31 Prozent auf mehr als 50 Prozent aufzustocken. Gemeinsam habe man die Chance, in eine „ganz neue Liga“ vorzustoßen.

hz/HB WOLFSBURG. So sehen Sieger aus. Zufrieden lehnt sich VW -Chef Martin Winterkorn in seinem Stuhl zurück, der gestreifte Binder rutscht etwas hoch. "Wir treten nicht an, um Zweiter oder Dritter zu werden", ruft er den Journalisten im weiten Rund des VW -Forums auf der Jahrespressekonferenz zu. "Wir treten an, um zu gewinnen!"

Kurz vor der Übernahme der Wolfsburger schwört der neue Vorstandschef das Unternehmen auf einen aggressiven Wachstumskurs ein. Gemeinsam mit Porsche werde VW jetzt ein Automobilunternehmen formen, "das eine völlig neue Ära einläuten wird". Zwei absolute Branchenchampions würden hier zusammenkommen. "Lassen Sie es mich so sagen: Porsche und Volkswagen, das ist so, als ob sich das Talent und die Stürmerqualitäten von Marcelinho und Mario Gomez in einem Spieler vereinen." Und er lässt keinen Zweifel daran, dass er VW dabei nicht auf die Zuschauerbank verbannt sieht: "Wir fühlen uns als Spielgestalter und nicht als Tribünengast."

Doch der Einfluss der Stuttgarter steigt auch dadurch, dass der Porsche -Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche in den Volkswagen -Aufsichtsrat einziehen soll. Wie aus der am Donnerstag in Wolfsburg veröffentlichten Einladung zur Hauptversammlung hervorgeht, soll er Heinrich von Pierer ersetzen, der sein Amt niederlegt. Die Volkswagen -Aktionäre stimmen am 24. April in Hamburg über die Personalie ab. Damit würde sich die Zahl der Porsche -Vertreter in dem Gremium auf vier erhöhen. Porsche -Chef Wendelin Wiedeking, Finanzchef Holger Härter sowie Porsche -Miteigentümer und VW -Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gehören dem Gremium bereits an.

Zum Mitbestimmungsstreit zwischen dem VW -Betriebsrat und Porsche sagte VW -Vorstandschef Winterkorn: "Wir brauchen Klarheit. Wir müssen unsere Teams aufstellen und endlich gemeinsam das Spiel bestimmen, denn das liegt im Interesse aller Beteiligten."

Zwischen dem VW -Betriebsrat und Porsche tobt seit Monaten ein heftiger Konflikt über die Mitbestimmung in der Porsche Holding, deren Teil VW nach der Übernahme durch Porsche sein wird. Die Mitbestimmungsvereinbarung in der Porsche Holding geht aus Sicht des VW -Betriebsrats zu Lasten der VW -Belegschaft. Sollten sich beide Seiten nicht einigen, wird das Stuttgarter Arbeitsgericht am 29. April über eine Klage des VW -Betriebsrats gegen die Vereinbarung verhandeln.

VW -Betriebsratschef Bernd Osterloh begrüßte am Donnerstag zwar die geplante Wahl von Wolfgang Porsche in den VW -Aufsichtsrat, bleibt ansonsten aber auf Konfrontationskurs und erwartet eine Gerichtsverhandlung. "So wie Porsche sich verhält, wird es wohl dazu kommen", sagte er den "Wolfsburger Nachrichten/Braunschweiger Zeitung". Eine Antwort von Porsche -Vorstandschefs Wendelin Wiedeking auf Änderungsvorschläge stehe noch immer aus. "Uns geht es darum, dass das Gericht feststellt: Als die Mitbestimmungs-Vereinbarung beschlossen wurde, war VW schon ein von Porsche abhängiges Unternehmen. Dann hätten wir an den Verhandlungen beteiligt sein müssen."

Zugleich rechnet Osterloh sich Chancen aus, dass wichtige Teile des VW -Gesetzes in einer Neufassung erhalten bleiben. "Die Politik hat nach Nokia und BMW verstanden, dass man Schutzmechanismen für Belegschaften braucht." Ohne Wiedeking oder Porsche direkt zu nennen, sagte der Betriebsratschef: "Wir wollen natürlich auch, dass sich ein Großaktionär nicht benehmen kann wie ein Hedgefonds. Wir erwarten Respekt vor der Leistung unserer Kollegen."

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