Europas größter Kupferproduzent
Machtkampf in der Affinerie

Für das abgelaufene Geschäftsjahr erwartet die Norddeutsche Affinerie ein Rekordergebnis. Dennoch läuft bei Europas größtem Kupferproduzent nicht alles rund. Der österreichische Investor Mirko Kovats, der bereits 14 Prozent der Aktien hält, will seinen Einfluss im Unternehmen ausweiten – und lieftert sich einen Schlagabtausch mit dem Chekontrolleur der Affinerie.

mjh / rtr DÜSSELDORF / FRANKFURT. Im Vorfeld der gestrigen Aufsichtsratsitzung bei der Norddeutschen Affinerie (NA) haben sich der österreichische Investor Mirko Kovats und NA-Chefkontrolleur Ernst Wortberg einen Schlagabtausch geliefert. In einer E-Mail hatte Kovats das Gremium vor Personalentscheidungen gewarnt, "die gegebenenfalls das Unternehmen schon in kurzer Zeit viel Geld kosten“.

Kovats bezog sich dabei auf die einer Zeitungsmeldung zufolge bevorstehende Vertragsverlängerung für NA-Finanzvorstand Bernd Drouven, der seit dem unfreiwilligen Rücktritt des langjährigen Konzernchefs Werner Marnette vor einem Monat die NA kommissarisch führt. Umgehend ließ Wortberg Kovats wissen, dass "sich auf der Tagesordnung kein entsprechender Punkt befindet“.

Rechtlich sind Kovats die Hände gebunden: Das Bundeskartellamt will erst im Januar entscheiden, ob er seinen Anteil an der NA aufstocken darf, wie er wiederholt angekündigt hat. Mit knapp 14 Prozent ist Kovats zwar größter NA-Aktionär, aber nicht im Aufsichtsrat vertreten. Das will der österreichische Investor ändern.

"Ich sage in etwa, es kann auch mehr oder weniger sein, weil das auch eine Frage der Kartellauflagen ist, wo wir entsprechende Anträge vorgelegt haben“, sagte Kovats der schweizerischen Wirtschaftszeitung "Finanz und Wirtschaft“ in der Ausgabe vom Mittwoch. Eine Entscheidung der Wettbewerbshüter erwarte er bis Anfang Februar.

Eine höhere Beteiligung sei mit dem "Wunsch“ nach zwei Sitzen im Aufsichtsrat des Kupferspezialisten verbunden. Diese forderte Kovats zuletzt im Gegenzug zu einem Verkauf der A-Tec -Beteiligung an der belgischen Kupferhütte Cumerio an die NA. Kovats sagte, er trete für eine "sinnvolle Konsolidierung der europäischen Kupferindustrie“ ein. A -Tec wolle dabei "ein gewichtiges Wort im Sinne der Übernahme der Cumerio durch die Norddeutsche Affinerie mitreden“. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario schätze er hoch ein. Kovats gab sich zuversichtlich, dass die EU den Zusammenschluss mit Auflagen genehmige.

Die NA hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Rekordergebnis erzielt. Wie Europas größter Kupferproduzent nach der gestrigen Aufsichtsratssitzung überraschend mitteilte, erwartet das Hamburger Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2006/07 (30. September) ein Konzernergebnis vor Steuern (EBT) von etwa 250 Mill. Euro – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Dividende soll um mehr als ein Drittel auf 1,45 Euro je Aktie erhöht werden.

"Die vorläufigen Zahlen sind extrem stark, das Management hat operativ exzellent gearbeitet“, sagte Branchenanalyst Michael Tappeiner von der WestLB. Etwas zurückhaltender äußerte sich Eggert Kuls von M.M. Warburg, der den unerwarteten Ergebnissprung auch auf Einmalposten zurückführt.

Einigkeit besteht in Finanzkreisen bei der Dividende: Der Aufsichtsrat wolle ein Zeichen setzen – in Richtung Kovats. Zwar profitiert dieser als größter Aktionär maßgeblich von der höheren Ausschüttung. Anderseits durchkreuzt der starke Kursanstieg Kovats Vorhaben, sich billig mit NA-Aktien einzudecken.

Einem Medienbericht zufolge strebt Kovats nach der Freigabe seines Einstiegs bei der NA durch das Bundeskartellamt an, Marnette zum neuen Aufsichtsratschef zu machen. In NA–Kreisen ist man irritiert, dass dieser zu dem Bericht bisher nicht Stellung nimmt.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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