Europas Stromnetz
Fachleute warnen seit Jahren vor Mega-Panne

Für Experten kommt die Mega-Panne im europäischen Stromnetz vom Samstag keineswegs überraschend. Sie fordern seit Jahren einen Ausbau der Leitungen und Verteilernetze.

HBBRÜSSEL. „Ohne diese Investitionen“, warnte die Europäische Kommission bereits im Dezember 2003, „und bei Fortdauer der gegenwärtigen Nachfragesteigerung und Belastung des Netzes entsteht ein immer größeres Risiko von Versorgungsunterbrechungen.“

Anlass für die Warnung aus Brüssel war der Rekord-Blackout in den USA vom Sommer 2003, dem Stromausfälle in London und Skandinavien und kurz darauf in ganz Italien folgten. Zwar dürfte das europäische Elektrizitätssystem „nicht den gleichen Umfang an systemimmanenten Schwächen aufweisen wie das der Vereinigten Staaten“, analysierte die Kommission daraufhin. Aber wie in den USA sei auch in Italien mangelnde Koordinierung ein „ausschlaggebender Faktor“ gewesen.

Die EU-Staaten hätten sich „eher sporadisch und unsystematisch“ mit diesen Fragen beschäftigt, kritisierte die Brüsseler Behörde in ihrer Mitteilung zu „Energieinfrastruktur und Versorgungssicherheit“ seinerzeit: „Wenn keine weiteren Maßnahmen erfolgen, können die bereits aufgetretenen Problem in der Europäischen Union zunehmen.“ Zwei Jahre später war es wieder soweit: Ende November 2005 fiel für 250 000 Menschen im Münsterland tagelang der Strom aus.

Schuld war nach Darstellung der Stromwirtschaft das extrem kalte und windige Wetter, nicht das teilweise antiquierte Leitungsnetz. Dennoch kündigte die Branche umgehend an, sie wolle das Stromnetz bis zum Jahr 2020 für rund 40 Mrd. Euro modernisieren. Schon im Mai 2006 verbreitete der Verband der Netzbetreiber (VDN) wieder positive Nachrichten: Deutschlands Stromnetz sei das zuverlässigste in Europa, hieß es. Durchschnittlich seien Stromausfälle mit 23 Minuten pro Kunde und Jahr kürzer als in den Nachbarländern oder den USA.

Der VDN berichtete auch, dass der Energieverbrauch in Deutschland jährlich um etwa ein Prozent wachse. Wachsender Stromhunger könne aber „Ungleichgewichte bei Angebot und Nachfrage“ bewirken, warnte die EU-Kommission. Demgegenüber könnten „bereits relativ einfache Maßnahmen zur Vermeidung unnötigen Energieverbrauchs“ die Versorgung absichern. Das sei billiger als zusätzliche Stromproduktion und „ohne Abstriche beim Komfort oder beim Lebensstandard möglich“.

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