Europaweit Zehntausende Stellen gefährdet
Autobauer rutschen in die Krise

Kurz vor Beginn der Tarifverhandlungen bei VW haben sich die Fronten zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften verhärtet. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser forderte eine deutliche Senkung der Produktionskosten und warnte vor einer Verlagerung deutscher Arbeitsplätze nach Osteuropa. Gleichzeitig kündigte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine dem VW-Vorstand eine „knallharte Tarifrunde“ an.

hof/zel/brc FRANKFURT. Branchenexperten erwarten, dass die europäische Automobilindustrie vor der schwersten Krise seit Anfang der 90er-Jahre steht. Angesichts von Konkurrenzdruck, Überkapazitäten und anhaltend schwacher Nachfrage sehen sie allein bei VW, Opel, Fiat und Jaguar mehr als 60 000 Arbeitsplätze gefährdet.

Kannegiesser sagte, wegen der hohen Kosten drohe die deutsche Autoindustrie ihre führende Stellung in Europa zu verlieren. „Es ist nicht gottgegeben, dass Deutschland der wichtigste automobile Standort in Europa bleiben wird.“ Dagegen verteidigte Meine die Forderung der IG Metall nach vier Prozent mehr Lohn und betonte, die vom Konzernvorstand geforderte zweijährige Nullrunde sei für die Mitarbeiter unzumutbar. Bei den am Mittwoch beginnenden Tarifverhandlungen werde man mit Blick auf die Arbeitsplatzgarantien für die westdeutschen Werke „Volkswagen vor uns hertreiben“, sagte Meine dem „Tagesspiegel“. „Wir fordern eine Arbeitsplatzgarantie für unsere Beschäftigten mit Zusagen für Produktentscheidungen und Investitionen in den Werken. Verlängerte Arbeitszeit ohne Bezahlung werden wir nicht machen“, stellte er klar.

Dagegen räumte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz gegenüber dem Handelsblatt ein, in der europäischen Autoindustrie „wird der Arbeitsplatzabbau tendenziell weitergehen“. Man sei jetzt „an dem Punkt angekommen, an dem es nur noch um Kostensenkungen geht“. Franz sagte, die letzte Krise vor gut zehn Jahren hätten die deutschen Hersteller noch mit einer Design- und Qualitätsoffensive in den Griff bekommen. Heute jedoch „sind die Spielräume viel enger geworden, Autos profitabel produzieren zu können“. Insgesamt arbeiten in der westeuropäischen Automobilindustrie knapp zwei Millionen Menschen, davon allein 770 000 in Deutschland.

Derzeit können die meisten europäischen Autohersteller ihre Kapazitäten wegen der geringen Nachfrage nicht mehr auslasten – zugleich steigt bei jedem Modellwechsel die Produktivität: Dieselbe Zahl an Autos lässt sich mit immer weniger Mitarbeitern herstellen. „Unternehmen wie VW und Fiat laufen schon viel zu lange auf zu geringer Auslastung. Um die Profitabilität zu steigern, müssten auf jeden Fall Werke geschlossen werden“, sagt der Autoexperte der WestLB, Fredrik Westin.

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