Eurostar-Züge
Frankreich setzt gegen Siemens auf Hartnäckigkeit

Der Kampf um den Einsatz von Siemenszügen im Eurotunnel geht weiter. Während Frankreich weiterhin versucht, das Projekt zu verhindern, wollen die Briten dem Deutschen Unternehmen keine Steine in den Weg legen. Die Europäische Bahnsicherheitsbehörde ERA soll den Machtkampf nun lösen.
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PARIS/LONDON. Frankreich versucht mit einer neuen Strategie, den Einsatz von Siemens-Zügen im Eurotunnel zu verhindern. Frankreichs Vertreter in der britisch-französischen Regierungskommission, die über die Tunnelsicherheit wacht, fordern weitere Studien zur Zuverlässigkeit der Siemens-Technik und verweigern den Zügen des Münchener Konzerns bis dahin die Zulassung für den Tunnelverkehr. Die Briten wollen Siemens dagegen schon bald grünes Licht geben und lehnen weitere Tests ab.

Damit herrscht ein Patt in dem Gremium, das zu gleichen Teilen aus britischen und französischen Beamten besteht und im Konsens entscheiden muss. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kommissionskreisen. Um den Machtkampf zu beenden, will das Gremium jetzt die europäische Bahnsicherheitsbehörde European Railway Agency (ERA) einschalten. Die ERA solle mit einer Stellungnahme das Zünglein an der Waage spielen und die französischen Kommissionsmitglieder davon überzeugen, dass Siemens-Züge für den Betrieb unter dem Ärmelkanal geeignet seien, verlautete aus Kreisen dieses Gremiums.

Damit Siemens-Züge durch den Tunnel fahren können, müssen die Sicherheitsregeln geändert werden. Bislang sind nur Züge mit zwei klassischen Lokomotiven für den Einsatz unter dem Ärmelkanal zugelassen. Die Siemens-Züge haben aber einen über die Achsen verteilten Antrieb. Eurostar hat zehn Züge bei Siemens bestellt, und auch die Deutsche Bahn will mit Wagen der Münchener durch den Tunnel fahren. Frankreich wehrt sich seit Monaten gegen die Änderung der Sicherheitsauflagen und versucht so, die Interessen des französischen Siemens-Rivalen Alstom zu verteidigen. Alstom war bislang der alleinige Lieferant von Tunnelzügen.

Die französisch-britische Regierungskommission hatte bereits im März angekündigt, dass nichts dagegen spricht, Siemens-Züge für den Tunnelverkehr zuzulassen. Nach Informationen aus Kreisen des Gremiums waren sich damals alle Mitglieder einig. Erst als sich abgezeichnet habe, dass Siemens und nicht Alstom einen Millionenauftrag von Eurostar bekommt, habe es sich die französische Seite anders überlegt.

Frankreich übt offenbar auch Druck auf den Eurostar-Mehrheitseigner und französischen Bahnbetreiber SNCF aus. Vergangene Woche seien die beiden SNCF-Vertreter im Eurostar-Aufsichtsrat wenige Stunden vor der Unterzeichnung des umstrittenen Vertrags mit Siemens zurückgetreten, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens.

Das französische Parlament macht ebenfalls Front gegen Siemens: Der Europa-Ausschuss forderte die Regierung dazu auf, eine Änderung der Sicherheitsregeln im Tunnel zu verweigern, bis der Vertrag zwischen Eurostar und Siemens aufgehoben wird. Dadurch, dass die Bestellung jetzt abgeschlossen sei, würden Eurostar und Siemens unzulässigen Druck auf die Regierungskommission ausüben.

Siemens verwarf den Vorwurf. Die Order stünde unter dem Vorbehalt, dass die Züge die Zulassung zum Tunnel bekommen würden, so ein Siemens-Sprecher.

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  • Konkurrenz belebt das Geschäft. Noch ist der Eurotunnel nur zu 50% ausgelastet.
    Der TGV ist ein Auslaufmodell.
    Der französische Alstom Nachfolger AGV ist auch ein Triebzug. Nach meinem Kenntnisstand floppt der aber. Da gibts einige merkwürdige, konstruktive Details:
    - drei Achsen im ersten und letzten Drehgestell
    - zwölf Antriebsachsen in der Mitte des Zuges. Wie stehts da mit der Seitenwindempfindlichkeit?
    - die Aerodynamik eines Kampfjets. Erreicht der Zug Mach 2 (über 2.000 km/h)?

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