Ex-Adidas-Eigner
Gericht kippt Schadensersatz für Tapie

Überraschende Wende im seit über zehn Jahre dauernden Rechtsstreit zwischen Bernard Tapie und dem französischen Staat um den Verkauf der Adidas-Anteile von Tapie: Das Pariser Kassationsgericht, die höchste zivilrechtliche Instanz, hat gestern überraschend das Urteil gekippt, dem zufolge der Staat dem Ex-Geschäftsmann und heutigem Schauspieler 135 Mill. Euro Schadensersatz zahlen muss.

ali PARIS. Das Gericht verwies den Fall wegen Formfehlern erneut an das zuständige Berufungsgericht, das das Verfahren nun neu aufrollen soll. Bernard Tapie fühlt durch die Bank Crédit Lyonnais betrogen und verlangt weiter Schadensersatz. Anfang der 90er Jahre war der Ex-Geschäftsmann knapp bei Kasse und verkaufte seine Adidas-Anteile an die Großbank, die damals dem französischen Staat gehörte. Kurze Zeit später verkaufte Crédit Lyonnais die Adidas-Anteile mit hohem Gewinn an den Geschäftsmann Robert Louis-Dreyfus weiter.

Das Pariser Berufungsgericht sprach Tapie Ende September 2005 Schadensersatz in Höhe von 135 Mill. Euro zu. Die Richter begründeten damals ihre Entscheidung mit einer Pflichtverletzung der Bank, die ihren Kunden Tapie nicht vom Kaufinteresse von Dreyfus für die Adidas-Anteile informiert habe. Auch der Generalanwalt des Kassationsgerichts war am vergangenen Freitag dieser Argumentation gefolgt und empfahl dem Kassationsgericht gar, dass der Staat als ehemaliger Eigentümer von Crédit Lyonnais Tapie 145 Mill. Euro Schadensersatz zusprechen solle.

Vor dem nächsten Prozess vor dem Berufungsgericht üben sich nun beide Seiten in Optimismus. Die Anwälte des französischen Staates sehen sich in ihrer Auffassung bestätigt, dass die Bank keine Pflichtverletzung begangen habe, entsprechend Tapie keine Ansprüche gegenüber dem Staat zu stellen habe. Tapies Anwälte sprechen dagegen von einem „Pyrrhus-Sieg“ für den Staat, da das Kassationsgericht nur wegen Formmängeln das Urteil gekippt habe.

Bernard Tapie ist eine der schillernsten Figuren in Frankreichs Geschäftswelt: Der Ex-Minister und Ex-Adidas-Eigner hat heute Steuerschulden in Millionenhöhe und arbeitet unter anderem als Schauspieler.

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