Ex-Boeing-Manager folgt
Bill Ford gibt auf

Der Chef des Autobauers Ford und Urenkel des Unternehmensgründers Henry Ford, Bill Ford, hat völlig überraschend seinen Rücktritt erklärt. Zwar hatte er große Veränderungen im schwächelnden Konzern angekündigt, doch mit dieser Veränderung hatte niemand gerechnet. Ihm folgt ein Mann, der den europäischen Flugzeugbauer Airbus das Fürchten gelehrt hat.

HB DEARBORN. Der Ford-Konzern teilte am Dienstagabend nach US-Börsenschluss mit, der Ex-Boeing-Manager Alan Mulally werde künftig die operative Führung übernehmen. Er löst Bill Ford ab, der aber weiter den Verwaltungsrat vorstehen wird. Branchenkenner sind von der Personalie völlig überrascht worden.

Der Wechsel kommt in einer Zeit, in der der Ford-Konzern versucht, die Kosten drastisch zu senken und das Geschäftsmodell komplett zu überarbeiten. Der Autobauer kämpft wie Branchenprimus General Motors mit Überkapazitäten sowie hohen Gesundheits- und Pensionskosten. Branchenexperten werteten den Wechsel positiv. Die Ford-Aktien stiegen nach Bekanntgabe der Personalie nachbörslich um 3 Prozent an.

Die Ernennung Mulallys zum neuen Konzernchef ist ungewöhnlich, kamen die bisherigen Lenker der US-Autobauer doch zumeist aus der Branche selbst. Mit Mullaly zieht nun ein Branchenfremder in die Chefetage.

Mullaly hatte sich als Sanierer der wichtigen Passagierflug-Sparte von Boeing einen Namen gemacht hat. Er habe damals Wert auf die Ausgliederung von Bereichen und die Steigerung der Effizienz gelegt, lobte Mark Oline von Fitch Rating in einer ersten Reaktion. Mullaly habe die Boeing-Sparte erfolgreich durch eine schwere Zeit geführt.

Airbus kennt Mulally nur zugut

Mulally wird das Wiedererstarken Boeings im knallharten Wettbewerb mit dem europäischen Flugzeugbauer Airbus zugeschrieben. Der 61-Jährige Ingenieur war seit 1969 bei Boeing und seit 1998 Chef von Boeing Commercial Airplanes. Er konnte zwar nicht verhindern, dass Airbus von den Stückzahlen her an Boeing vorbeizog. Doch inzwischen gilt der US-Flugzeugbauer als extrem gut aufgestellt. Insbesondere die Entwicklung des mittelgroßen Jets 787 „Dreamliner“ brachte Boeing in den letzten Jahren eine Flut von Aufträgen. 2005 setzte die Passagierflugsparte unter Mulally fast 23 Mrd. Dollar (18 Mrd. Euro) um.

Mulally galt im vergangenen Jahr als Favorit für den Posten des Boeing-Vorstandsvorsitzenden. Das Unternehmen setzte aber auf eine externe Lösung und holte den Chef des Technologiekonzerns 3M, Jim McNerney. Nerney ernannte umgehend den 60-jährigen bisherigen Vizepräsidenten im Verkauf, Scott Carson, zu Mulallys Nachfolger und schasste diesen.

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