Ex-Chef Watts soll Reservenfehler vertuscht haben: Shell kommt nicht aus der Vertrauenskrise

Ex-Chef Watts soll Reservenfehler vertuscht haben
Shell kommt nicht aus der Vertrauenskrise

Der Grund für den überraschenden Rücktritt von Shell-Chef Philip Watts in der vergangenen Woche war weniger der Zorn der Investoren, sondern eine interne Untersuchung. Das hat der neue Shell-Chef Jeroen van der Veer bestätigt, ohne aber Einzelheiten zu nennen. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge soll Chairman Watts Fehler bei den Reservenbuchungen vertuscht haben.

and LONDON. Er sei bereits vor zwei Jahren intern gewarnt worden, dass die Ölreserven des Konzerns möglicherweise zu hoch angesetzt waren und die Buchungen gegen die Regeln der US-Börsenaufsicht SEC verstoßen.

Shell hatte erst Anfang 2004 mitgeteilt, dass die Öl- und Gasreserven um 3,9 Mrd. Barrel nach unten korrigiert werden müssen. Anpassungen der Vorkommen sind in der Branche normal, die Korrektur um 20 % schockte jedoch die Investoren. Der Shell-Kurs brach ein. Anleger forderten den Rücktritt von Watts, der bis 2001 selbst Chef der Sparte Förderung und Exploration war.

Vor einer Woche kam es dann zum spektakulären Doppelrücktritt: Neben Watts ging auch Walter van de Vijver, Chef der Fördersparte. Ein Shell-Sprecher wollte gestern keine Angaben zu dem Vorgang machen, da die interne Reservenüberprüfung noch andauere. Das Ergebnis solle „in den kommenden Wochen“ vorgelegt werden.

Angeblich sind dabei Dokumente aufgetaucht, nach denen Watts und andere Mitglieder der Unternehmensleitung bereits Anfang 2002 darauf hingewiesen wurden, dass die Bewertung von Öl- und Gasreserven im Konzern gegen die SEC-Vorschriften verstoße. Das Memo vermerke, dass die Shell-Reserven um bis zu 1 Mrd. Barrel revidiert werden müssten. Watts hatte noch Anfang Februar erklärt, er habe unverzüglich nach Kenntnis gehandelt.

Die Vertrauenskrise bei Shell ist auch mit Nachfolger van der Veer noch nicht beseitigt. Seine erste Analystenkonferenz in London hat die Investoren wenig überzeugt. Fragen zu den Gründen für den Doppelrücktritt seien nicht beantwortet, heißt es bei der Investmentbank CSFB. Die anhaltende Auskunftsverweigerung lasse es möglich scheinen, dass es um Unredlichkeit oder Schlimmeres gehen könnte, so die Banker.

Dem Konzern droht nun der Verlust des für die Finanzierung wichtigen AAA-Ratings, das Shell seit 14 Jahren hat. „Das wäre die nächste Katastrophe“, so ein Shell-Mann.

Quelle: Handelsblatt

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