Ex-Daimler-Chef Edzard Reuter
„Tesla? Das ist doch ein Witz!“

Edzard Reuter ist offenkundig kein Tesla-Fan. In einem Radiointerview ätzt der ehemalige Daimler-Chef gegen den Elektroautopionier. Die Kalifornier seien „Aufkömmlinge“ – und der deutschen Autoindustrie nicht voraus.

DüsseldorfDer amerikanische Elektroautopionier Tesla hat in Deutschland nicht nur Fans: In einem Interview mit dem SWR findet der ehemalige Daimler-Chef Edzard Reuter deutliche Worte, als er auf den Tesla angesprochen wird. „Das ist doch ein Witz“, sagt Reuter. Elon Musk und sein Start-up seien im Vergleich mit den großen Autobauern nicht ernstzunehmen. Sie seien „kleine Aufkömmlinge“, die sich ihren Aufstieg mit gewaltigen Verlusten verdient hätten.

Auch die Kritik, dass die deutsche Autoindustrie den Einstieg in die Elektromobilität oder die Hybridtechnologie verschlafen habe, lässt Reuter nicht gelten. „Die Automobilindustrie hat doch nicht geschlafen“, erklärt er. Die Deutschen hätten bei weitem die erfolgreichste Automobilindustrie der Welt und würden mit ihren Premiumprodukten weltweit geachtet. „In der E-Mobilität wüsste ich nicht, dass irgendjemand uns die Nase voraus hat“, so Reuter weiter.

Doch auch Reuter sieht die Branche vor dem Umbruch: Die Digitalisierung sei für die gesamte Branche eine immense Herausforderung. „Es ist eine Revolution im Gange“, betont der 87-Jährige. Es komme nun darauf an, ob die deutsche Automobilindustrie es schaffe, die Spitzenposition im neuen Umfeld zu bewahren.

So deutlich wie sich Reuter zu Tesla äußert, so zurückhaltend reagiert er, als er im Interview auf den VW-Diesel-Skandal angesprochen wird. Die Manipulationen seien „schlimm in der Wirkung nach außen“ . Doch es sei noch zu früh für Schuldzuweisungen, betont der ehemalige Daimler-Chef.

Wer, was, wann wusste, müsse nun ermittelt werden. „Es kann durchaus sein, dass Mitarbeiter sich unter dem Druck, unter dem sie stehen […] dazu verleiten haben lassen, etwas zu tun, was Sie jetzt als betrügen bezeichnen“, antwortet Reuter etwas umständlich auf die Frage des SWR-Reporters. „Wenn etwas oben nicht gewusst wurde, ist das ein schwerer Fehler der Organisation.“

Reuter stand von 1987 bis 1995 an der Spitze des Konzernvorstandes der Daimler-Benz AG. Unter seine Ägide wurde Daimler zum „integrierten Technologiekonzern“ umgebaut und investierte in andere Unternehmen wie AEG und Dornier. Eine Strategie, die sich im Nachhinein als wenig erfolgreich entpuppte und von seinem Nachfolger Jürgen Schrempp wieder rückgängig gemacht wurde.

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