Ex-Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer neuer Chef
Tchibo-Eigner steigen beim Modekonzern Escada ein

Der Machtwechsel beim Modekonzern Escada ist vollzogen. Der Aufsichtsrat des S-Dax-Konzerns hat am Dienstag eine Kapitalerhöhung von 50 Mill. Euro in zwei Tranchen beschlossen. Die gesamte erste Tranche zeichnen die Tchibo-Eigner Michael und Wolfgang Herz. Auch an der Spitze des Managements wird der Wechsel vollzogen.

MÜNCHEN. Der bisherige Escada-Hauptaktionär, der Russe Rustam Aksenenko, erklärte, seine Bezugsrechte erst bei der zweiten Tranche wahrnehmen zu wollen. Zusammen mit den Anteilen, die Michael Herz – wie das Handelsblatt berichtete – bereits in den vergangenen Wochen erworben hat, halten die Tchibo-Familien nun rund 25 Prozent an Escada. Neuer Vorstandschef soll der Ex-Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer werden, neuer Vorstand für Logistik Werner Lackas, der Boss wie Sälzer im Frühjahr nach Streit mit dem neuen Großinvestor Permira verlassen hatte. Neuer Escada-Aufsichtsratchef soll der Wirtschaftsjurist Reinhard Pöllath werden. Herz, Sälzer und Pöllath arbeiten bereits seit Jahren im Aufsichtsrat der Tchibo-Holding Maxingvest zusammen.

Der einst größte deutsche börsennotierte Modekonzern Escada steckt seit Jahren in der Krise. Auch der von Großaktionär Aksenenko im vergangenen Jahr vom Luxuskonzern LVMH geholte Vorstandschef Jean-Marc Loubier schaffte die Trendwende nicht. Das Geschäftsjahr 2006/2007 endete bei rückläufigen Umsätzen (686 Mill. Euro) mit einem Verlust von 27 Mill. Euro. Und auch das laufende Geschäftsjahr versprach keine Besserung. Anfang April schockierte eine erste Gewinnwarnung die Märkte, am Freitag eine zweite. Ingbert Faust vom Investmenthaus Equinet beurteilt den Einstieg der neuen Investoren als „sehr positiv“. „Escada kann die Kapitalerhöhung für die Restrukturierung gut gebrauchen“, sagte Faust.

Die finanzielle Lage von Escada hat sich seit Freitag zugespitzt. Nach der zweiten Gewinnwarnung teilte die Ratingagentur Moody's mit, sie überprüfe das bisherige Rating auf Herabstufung. Von dem Schritt wären Schuldpapiere über 200 Mill. Euro betroffen, die im Jahr 2012 fällig sind. Eine schlechtere Bonitätsnote verteuert eine Finanzierung. Darüber hinaus zogen sich die Verhandlungen über die Verlängerung von Kreditlinien hin. Die bestehende Linie über 90 Mill. Euro läuft im Dezember aus. Von einer gesicherten Bankfinanzierung hatte Herz seinen Einstieg abhängig gemacht.

Escada ist zwar bis heute die einzige deutsche Modemarke, die es in die erste internationale Luxusliga geschafft hat, doch ihr Glanz ist verblasst. In Edelkaufhäusern wie Neiman Marcus stehen die Kollektionen kurz vor der Aussortierung. Eine Auslistung wäre für die Marke eine Katastrophe, da sie danach zwei bis drei Saisons braucht, um wieder aufgenommen zu werden. In dieser Zeit würde der Umsatz einbrechen und die Marke in Vergessenheit geraten.

Seine erste Bewährungsprobe hat der neue Vorstandschef Sälzer deshalb bereits in der kommenden Woche. Am Montag und Dienstag ist am Firmensitz bei München Kollektionsübergabe. Sälzers Aufgabe wird sein, die Einzelhändler neu zu begeistern.

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