Ex-Porsche-Chef
Wiedeking kämpft um seine Bilanz

Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat eine positive Bilanz seiner Amtszeit gezogen, aber Bedauern über die Art seines Abgangs geäußert. Dabei geht es ihm wohl auch um seinen Platz in den Geschichtsbüchern. Denn am Wochenende berichteten mehrere Medien darüber, die Situation des Sportwagenbauers sei kritischer als bisher angenommen.

HB STUTTGART. „Als ich am 1. Oktober 1992 Vorstandschef von Porsche wurde, hatte ich viele Erwartungen. Was ich letztlich erreicht habe, wäre mir damals nicht einmal im Traum eingefallen. Ich habe 17 Jahre lang mit vollem Einsatz meine Arbeit gemacht“, sagte Wiedeking der „Bild am Sonntag“.

Zu seiner Ablösung sagte der 56-Jährige: „Natürlich hätte ich mir einen anderen Abgang gewünscht, da bin ich ganz offen. Als Buhmann galt ich vielleicht für Widersacher, nie für meine Mitarbeiter. Aber als Legende - bei aller mir eigenen Bescheidenheit - tauge ich wirklich nicht.“

Er sei „unendlich stolz“ auf die Porsche-Belegschaft, die „in guten wie in schlechten Zeiten hinter ihm gestanden“ habe. „Dass mich die Mitarbeiter bei meiner - wenn man so will - Abschiedsveranstaltung ihre Sympathie noch einmal so innig und ergreifend haben spüren lassen, hat gut getan. Ich bin alles andere als ein Weichei, aber dieser Rückhalt, den mir die Kollegen geschenkt haben, macht auch mich sentimental“, betonte Wiedeking.

Auf die Frage, ob er glaube im Porsche-Museum einen würdigen Platz zu bekommen, sagte Wiedeking: „Ich war ein angestellter Manager und habe daher in einer Ahnengalerie nichts verloren. Außerdem: Eine museale Figur bin ich noch lange nicht.“ Wiedeking hat noch einen Schreibtisch in der Porsche-Zentrale und soll nach Informationen des Blattes seinen Nachfolger Michael Macht „bei Bedarf“ beraten. Für diesen Montagabend hat Wiedeking seine engsten Mitarbeiter zu einem Abschiedsessen ins Restaurant des Porsche-Museums eingeladen.

Porsche hatte in den vergangenen Jahren eine Mehrheit von 51 Prozent an Volkswagen zusammengekauft und sich zusätzliche Optionen gesichert, sich mit dem riskant finanzierten Plan am Ende aber selbst in Not gebracht.

Nun kehren sich die Machtverhältnisse um: Porsche soll in den VW-Konzern eingegliedert werden. Die Aufsichtsräte von Porsche und VW hatten am Donnerstag den Weg für eine Verschmelzung freigemacht. Der Porsche-Aufsichtsrat beschloss zudem eine mindestens fünf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung. Wiedeking wurde zusammen mit Finanzchef Holger Härter vor die Tür gesetzt. Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende und Porsche- Miteigentümer Ferdinand Piëch soll nach dem Sieg laut „Focus“ erklärt haben: „Das war der größte Kampf meines Lebens.“

Seite 1:

Wiedeking kämpft um seine Bilanz

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%