Exklusiv-Interview
GM-Europachef will auch im Management Stellen abbauen

Der Automobilgigant General Motors (GM) will bei seinem radikalen Sparprogramm auch vor der Führungsspitze des Unternehmens nicht Halt machen. "Wir werden die Aufwendungen für das Management um mindestens 15 Prozent verkleinern", sagte GM-Europachef Fritz Henderson dem Handelsblatt.

HB DÜSSELDORF. Dies werde nicht durch Einbußen beim Entgelt, sondern ebenfalls durch Stellenabbau realisiert. "Das Management war ebenfalls bisher zu groß bemessen", sagte Henderson. Der Forderung des Opel-Betriebsrats nach einem Gehaltsverzicht der Manager im Rahmen des Sparprogramms steht Henderson dagegen weiter ablehnend gegenüber. "Aber Sie dürfen versichert sein, dass die verbleibenden Manager die Restrukturierung auch beim Bonus merken werden", fügte er an.

Der GM-Europa-Chef schloss weiter die Stilllegung eines Opel-Werkes langfristig nicht aus. "Ich kann jetzt noch nicht ausschließen, dass wir bis zum Jahr 2009/10 einen Standort schließen müssen. Das wird sehr von der Entwicklung des Gesamtmarktes in Europa abhängen und wie flexibel und produktiv unsere Werke bis dahin sein werden", sagte er. Doch die geplanten Einsparungen von 500 Mill. Euro jährlich bis 2006 könne GM voraussichtlich ohne eine Werksschließung erreichen. "Dafür gibt es eine Chance", sagte Henderson. Zugleich räumte der Spitzenmanager ein, dass auch in der Führungsetage bei GM Europa in der Vergangenheit Fehler gemacht worden seien. ""Wir waren zu optimistisch und hatten mit einem leichten Wachstum des Marktes gerechnet", sagte Henderson mit Blick darauf, dass bereits drei Jahre nach dem Start des Sanierungsprogramms Olympia bei Opel erneut auf die Kostenbremse getreten werden müsse.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Proteste im Opel-Werk Bochum warnte Henderson die Belegschaft vor unbedachten Arbeitsniederlegungen. "Wir sind natürlich besorgt, da wir unser Geschäft fortführen müssen", sagte er. "Es wäre, glaube ich, für alle das Beste, wenn wir von Arbeitsniederlegungen bei GM in Europa absehen. Ich kann in einem Streik keinen Vorteil erkennen, zumal wir das Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern suchen." Henderson warb noch einmal um Verständnis für den Sparplan. In Deutschland hätten vor allem das Werk in Rüsselsheim und in Bochum ein Kostenproblem. "Beide großen Werke sind nicht so wettbewerbsfähig, wie sie es sein sollten. Unsere Autos sollen in Europa überall gleich viel kosten, doch die Tariflöhne in Deutschland sind höher als in allen anderen Ländern und wir zahlen auch noch 20 Prozent über Tarif", kritisierte der Manager.

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