Exklusiv-Studie: Atomkonzerne profitieren nur auf lange Sicht

Exklusiv-Studie
Atomkonzerne profitieren nur auf lange Sicht

Die Revision des Atomausstiegs wird die Kassen der Energiekonzerne über die Jahre hinweg mit immer weiter steigenden Zusatzeinnahmen füllen. Kurzfristig bezahlen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Europe aber einen hohen Preis und müssen sogar Einbußen von mehreren Milliarden Euro verkraften.
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DÜSSELDORF/BERLIN. Die Revision des Atomausstiegs wird die Kassen der Energiekonzerne über die Jahre hinweg mit immer weiter steigenden Zusatzeinnahmen füllen. Kurzfristig bezahlen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Europe aber einen hohen Preis und müssen sogar Einbußen von mehreren Milliarden Euro verkraften. Das finanzielle Risiko ist angesichts der angekündigten Klagen von Oppositionspolitikern deshalb enorm. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Sie analysiert ausführlich die Effekte für jeden Betreiber und ist die erste von politischen Interessen unabhängige detaillierte Untersuchung, wie sich das jüngst beschlossene Energiekonzept der Bundesregierung auf die Finanzen der Konzerne auswirkt. Die Unternehmen selbst weigern sich bislang, die Effekte zu beziffern.

Langfristig sind die Gewinne hoch

Langfristig sind die Gewinne der Studie zufolge beeindruckend. Bleibt der Strompreis an der Börse beim aktuellen Niveau von 51 Euro je Megawattstunde würden die Betreiber der Kernkraftwerke rund 57,5 Mrd. Euro einnehmen. Steigt der Strompreis dagegen jährlich um drei Prozent - im Schnitt würde er dann bei 78 Euro liegen - wären es sogar 108,7 Mrd. Euro.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte am Wochenende beschlossenen, den 2002 unter Rot-Grün besiegelten Beschluss zum Atomausstieg zu kippen und die Laufzeiten der 17 noch aktiven Reaktoren, die derzeit auf rund 32 Jahre beschränkt sind, um durchschnittlich zwölf Jahre verlängert.

An jedem Jahr, das ein abgeschriebenes Kraftwerk länger am Netz bleiben darf, verdient der Betreiber. Allerdings muss er nach den jüngsten Beschlüssen einen Teil der Gewinne wieder abgeben. Bis 2016 erhebt der Staat eine neue Brennelementesteuer, die sich auf 13,8 Mrd. Euro summieren soll. Zudem sollen die Unternehmen bis dahin 1,4 Mrd. Euro in einen Fonds zur Förderung der erneuerbaren Energien einzahlen. Anschließend müssen die Unternehmen pro produzierter Megawattstunde neun Euro abführen, falls der Strompreis konstant bleibt. Steigt er, steigt auch die Abgabe.

Nach der Analyse der LBBW würde der Bund bei konstanten Strompreisen 30,5 Mrd. Euro abschöpfen, bis gegen 2040 das letzte Kernkraftwerk vom Netz ist. Unter dem Strich blieben den Unternehmen dann rund 27 Mrd. Euro in der Kasse. Im zweiten Szenario, bei einem Anstieg des Preises müssten die Unternehmen 44,8 Mrd. Euro abführen und dürften dann 63,9 Mrd. Euro behalten.

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