Exklusives Interview mit Leica-Chef
Leica-Chef: "80 Prozent der Sanierung sind geschafft"

Im exklusiven Interview mit Handelsblatt.com erkläutert der Leica-Eigentümer Andreas Kaufmann, warum er fest an das Traditionsunternehmen glaubt, weshalb er Ende Februar den Leica-Vorstandschef Steven K. Lee gefeuert hat und wie die Zukunft des M- und R-Systems aussieht. "Unser Engagement hier in Solms hat eine langfristige Perspektive", betont Kaufmann. "Wir wollen nicht das schnelle Geld."

Handelsblatt: Herr Dr. Kaufmann, 2004 haben Sie die Sanierung von Leica als „Marathonlauf“ bezeichnet. Entpuppt sich die Sache als Iron-Man-Triathlon?

Kaufmann: Nein, wir sind bei der Sanierung viel weiter, als es nach außen erscheinen mag. Wir haben uns im Februar vom bisherigen Vorstandsvorsitzenden Steven Lee getrennt. Aber alle Projekte laufen weiter, bei den Mitarbeitern gibt es keine Veränderungen. Wir sind bei der Restrukturierung in einem Stadium angekommen, wo man sich keine grauen Haare mehr wachsen lassen muss. Es ist ein Marathon, aber 80 Prozent der Strecke haben wir zurückgelegt. Natürlich sind solche Schritte wie der Führungswechsel ungewöhnlich, aber der hatte gute Gründe.

Und die wären?

Wir haben festgestellt, dass Leica und Lee nicht zusammen passen – und haben daraus die Konsequenzen gezogen.

Was genau passte nicht zusammen?

Es sind Dinge vorgefallen, die nicht vorkommen dürfen. Da kann ich mich im Detail nicht zu äußern. Wir stehen vor einem potenziellen Arbeitsgerichtsprozess.

Das heißt, es gibt keine gütliche Einigung mit Steven Lee?

Wir haben ihm einen Abfindungsvorschlag gemacht, den wir für sehr attraktiv hielten. Den Termin, den wir zur Annahme gesetzt hatten, ist verstrichen. Wir haben seitdem von seinen Rechtsanwälten gehört und haben deutlich gemacht, was wir uns noch vorstellen können. Da sitzen jetzt die Juristen dran. Generell sehen wir der Sache gelassen entgegen.

Im letzten Quartal des Jahres 2008 ist der Leica-Umsatz wieder geschrumpft. War das in Ihren Planungen einkalkuliert oder kam es überraschend?

Ich möchte mich wie gesagt nicht zur Tätigkeit unseres alten Vorstandschefs äußern. Aber Sie können sich vorstellen, dass es Gründe für die Abberufung gab. Und ich möchte betonen: Dieser Umsatzrückgang hat eigentlich nicht zu einer verschlechterten Cash- oder Ebit-Position geführt. Ich glaube, wir wirtschaften da sehr konservativ.

Woran lag der Umsatzrückgang?

Nun, wenn sie permanent wechselnde Botschaften zur M8 geben, dann verunsichern sie ihre Kunden. Das halte ich nicht für richtig. Wir werden unseren Kunden jetzt deutlich machen, dass die M8 für uns ein längerfristiges Projekt ist.

Wie sieht die Zukunft des digitalen M-Systems aus?

Wir haben das Programm vorbereitet, in dem ganz klar ist: Die M8 ist kein Übergangsmodell. Die Entwicklung des M-Systems geht planmäßig weiter. Natürlich wird nach der M8 irgendwann etwas anderes kommen. Wann und wie, darüber gibt es viele Spekulationen, aber dazu werde ich ihnen heute nichts sagen. Sie können jedoch davon ausgehen, dass unsere Projekt- und Produktmanager sowie unsere Entwicklungsabteilung unter Hochdruck arbeiten.

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