Expansion nach Nordamerika gestoppt
Maul- und Klauenseuche bremst brasilianische Fleischexporteure

Unpassender hätte es die brasilianischen Steakexporteure nicht treffen können: Gerade als sie auf der Kölner Lebensmittelmesse Anuga mit den Importeuren die neuen Jahresverträge unterzeichnen wollten, brach auf einer Farm im brasilianischen Landesinneren die Maul- und Klauenseuche aus.

SÃO PAULO. Sofort stoppten die EU, aber auch Russland, Südafrika, Israel und andere lateinamerikanische Staaten die Einfuhr brasilianischen Rindfleisches auf unbestimmte Zeit.

Für die Branche ein schwerer Schlag: „Es hätte uns nicht schlimmer treffen können“, klagt der brasilianische Agrarminister Roberto Rodriguez und prophezeit der Branche ein „düsteres 2006“. Die Investoren an den Aktienmärkten reagierten prompt. Die Kurse von Sadia und Perdigão, den beiden wichtigsten Lebensmittelkonzernen Brasiliens, deren Aktien auch an der Wallstreet gehandelt wurden, verloren sechs Prozent. Dabei produzieren die beiden Konzerne bisher fast nur Geflügel- und Schweinefleisch und zählten in den letzten Jahren als Exporteure zu den Nutznießern der Kuhseuchen in Europa.

Erst vor wenigen Tagen hatten jedoch beide Konzerne angekündigt, künftig auch Rindfleisch produzieren und verarbeiten zu wollen. In São Paulo halten sich Gerüchte, dass die Rating-Agentur Fitch auch die beiden wichtigsten brasilianischen Rindfleischproduzenten Friboi und Bertin abstufen könnte, deren Aktien bisher nur an der Börse in São Paulo gehandelt werden.

Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche trifft die brasilianische Fleischindustrie auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung: Erst 2004 hat das südamerikanische Land Australien und die USA als Exporteur auf dem Weltmarkt überholt. Von Januar bis September dieses Jahres sind die Exporte an gekühltem und industrialisiertem Rindfleisch erneut um 30 Prozent gestiegen.

Die brasilianischen Konzerne verkauften für rund 2,5 Mrd. Dollar Rindfleisch. Wichtigste Abnehmer sind Russland, Ägypten, die Niederlande und Großbritannien. Die EU insgesamt nimmt etwa ein Drittel des brasilianischen Rindfleisches ab. Vor einem Monat hatte zudem Friboi, der größte brasilianische Produzent mit einem Umsatz von geschätzt einer Mrd. Euro den argentinischen Marktführer Swift Armour für 180 Mill. Euro übernommen. Der argentinische Konkurrent ist spezialisiert auf Exporte von verarbeitetem Fleisch in die USA.

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