Expansion
Uran-Produzenten überschwemmen den Markt

Australien kontrolliert mindestens ein Drittel aller weltweit nachgewiesenen Uranvorräte, hat aber nur drei produzierende Uranminen. Lange stand die sogenannte "Drei-Minen-Politik" einer Expansion im Uran-Bergbau entgegen; erst die starke Nachfrage im Nachbarland China führte zu einem Umdenken. Und auch andernorts wird die Produktion ausgebaut.

KAPSTADT/SYDNEY. Australiens Uranindustrie will ihre Produktion deutlich ausbauen. Nach Angaben der staatlichen Rohstoffforschungsstelle Abare soll die Gesamtproduktion in diesem Jahr um fünf Prozent steigen. Gefördert wird Uran in der von BHP Billiton kontrollierten Mine Olympic Dam in Südaustralien und in der von Energy Resources of Australia (ERA) betriebenen Ranger Mine im Northern Territory. Die Exporterlöse sollen laut Abare in diesem Jahr rund 940 Mio. Australische Dollar beziehungsweise knapp 500 Mio. Euro erreichen. Dies entspricht einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent. Für das kommende Jahr wird ein weiterer Erlösanstieg um 31 Prozent auf dann 1,2 Mrd. Australische Dollar erwartet.

Zu den bestehenden drei Minen - Olympic Dam, Ranger und der von der amerikanischen Heathgate Resources betriebenen Beverley-Mine - könnten sich in den kommenden Jahren eine Reihe weiterer Anlagen gesellen. In Südaustralien will die kanadische Firma Uranium One in Kooperation mit der japanischen Mitsui ab 2010 im "Honeymoon-Projekt" jährlich 400 Tonnen Uranerz fördern. In Westaustralien will Toro Energy bis 2012 die Produktion in dem Vorkommen in Wiluna aufnehmen. Toro-Chef Greg Hall rechnet mit einer jährlichen Produktion von 680 Tonnen Uranerz.

Auch in Afrika setzen Experten auf eine steigende Nachfrage von Seiten der Atomkraftwerke; neben Niger wird vor allem in Südafrika und in Namibia Uran gefördert. Im Zuge des Booms 2007 wurden dort bereits neue Minen erschlossen. So hat beispielsweise der Lange Heinrich in Namibia seine Förderung aufgenommen. Darüber hinaus sind bereits bestehende Minen erweitert worden. Ein Beispiel dafür ist die Rössing-Mine, die weltweit größte Uran-Mine, die ebenfalls in Namibia liegt. Nicht zuletzt wegen des wachsenden Angebots rechnen viele Uran-Experten erst längerfristig mit erneut leicht steigenden Preisen. Nach den Strohfeuern in der Vergangenheit will noch niemand die Trendwende ausrufen. Auf einer Konferenz in Sydney sagt Toro-Chef Hall vor kurzem, dass er langfristig einen Preis von 70 US-Dollar erwarte. Jean Nortier, der Chef von Uranium One, prophezeit für dieses Jahr anhaltend niedrige Preise, sieht aber eine Bodenbildung bei etwa 40 Dollar. Allerdings glaubt er, dass der Preis ab 2011 stärker anziehen könne.

Skeptischer sind die Rohstoffexperten der australischen Bank Macquarie. Sie rechnen damit, dass die Marktlage zumindest bis 2012 angespannt bleiben wird. Denn erst dann werde Uran für Atomreaktoren bestellt, die zwischen 2013 und 2016 ans Netz gehen sollen. Die südafrikanische Investmentbank Investec ist ebenfalls erst auf lange Sicht positiv für den Uran-Markt gestimmt, bezeichnet allerdings den Preis momentan selbst auf dem aktuellen Niveau noch immer als überhitzt.

Von der Zuversicht der Produzenten zeigten sich die Aktienbörsen bisher unbeeindruckt. Im Einklang mit dem Preis des Brennstoffs Uran sind in den vergangenen 18 Monaten auch die Aktienkurse der meisten Förderer kräftig gepurzelt. Allein Energy Resources of Australia weist steigende Kurse auf. An der Spitze der Verlierer steht dagegen der einstige Hoffnungsträgers Uranium One; an der Börse in Johannesburg fiel der Aktienkurs der Gesellschaft zeitweise um mehr als 90 Prozent.

Das weltweit tätige Unternehmen hatte die Aussichten seiner Dominion-Mine am Kap viel zu lange beschönigt. Von zunächst zwei Mio. Pfund wurde das Produktionsziel für 2008 auf schließlich nur noch 320 000 Pfund drastisch reduziert. Nun soll das inzwischen eingemottete Flaggschiff des Unternehmens womöglich sogar verkauft werden. Auch der Kurs von Toro Energy dümpelt inzwischen nur noch knapp oberhalb der Nulllinie vor sich hin.

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