Expansionskurs
Süd-Chemie wirbt um Investitionen

Der Münchener Konzern Süd-Chemie will aggressiv wachsen. Das Traditionsunternehmen ist derzeit zu 50,4 Prozent im Besitz des Finanzinvestors One Equity Partners. Über die Mehrheitsübernahme durch OEP waren die Süd-Chemie-Manager anfangs nicht sonderlich glücklich. Doch inzwischen haben sie ihre Meinung geändert.
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MÜNCHEN. Der Verkaufskandidat Süd-Chemie will in den kommenden Jahren aggressiv wachsen.„Unser Ziel ist es, den Konzernumsatz bis 2015 auf etwa 2,5 Mrd. Euro zu verdoppeln“, sagte Süd-Chemie-Chef Günter von Au im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Um dieses Maximalziel zur realisieren, brauchen wir Investitionen und Zukäufe.“

Das Traditionsunternehmen Süd-Chemie ist derzeit zu 50,4 Prozent im Besitz des Finanzinvestors One Equity Partners (OEP). „Sicherlich wollen die irgendwann raus“, heißt es in Branchenkreisen. Da OEP angekündigt habe, über die Börse auszusteigen, sei damit aber wohl erst im kommenden Jahr zu rechnen. Bei OEP hieß es, man sei mit der Entwicklung der Süd-Chemie und mit dem Investment sehr zufrieden. „Das Unternehmen hat die richtigen Themen besetzt und kommt sicher besser durch die Krise als die Wettbewerber“, sagte ein Sprecher. Zu möglichen Ausstiegsstrategien und dem geplanten Zeitpunkt eines Exits äußere sich der Finanzinvestor grundsätzlich nicht.

Süd-Chemie ist ein weltweit führender Hersteller von Filtern und Katalysatoren für den industriellen Einsatz. Ein Hauptkunde ist die Lebensmittelbranche, die mit den Filtern von Süd-Chemie Speiseöl reinigt und aufbereitet. 2008 erwirtschafte der Konzern einen Umsatz von 1,1 Mrd. Euro. In diesem Jahr werden die Erlöse um acht Prozent unter Vorjahr liegen, das operative Ergebnis um 20 Prozent auf 95 bis 100 Mio. Euro sinken.

Über die Mehrheitsübernahme durch OEP waren die Süd-Chemie-Manager anfangs nicht sonderlich glücklich. Die Befürchtungen, zerschlagen zu werden oder hohe Schulden aufgebürdet zu bekommen, haben sich aber nicht bewahrheitet. „OEP hat uns von Anfang an nicht einen Cent Schulden mitgegeben“, sagte von Au. Es habe im Aufsichtsrat nicht eine umstrittene Entscheidung gegeben; der Finanzinvestor habe den Expansionskurs unterstützt.

Durch einen Ausstieg von OEP könnte der echte Streubesitz bei Süd-Chemie steigen, der derzeit nur bei etwa fünf bis zehn Prozent liegt. Es gilt aber auch als möglich, dass die Familie Winterstein ihre Anteile wieder aufstockt. Gegen den Willen des zweiten Großaktionärs jedenfalls dürfte kaum ein Investor versuchen, bei Süd-Chemie einzusteigen. Interessenten gäbe es genug: Zuletzt machte der Staatsfonds IPIC mit der Übernahme der MAN-Tochter Ferrostaal Schlagzeilen. Abu Dhabi kauft gezielt Anlagenbauer und Chemieunternehmen, um eine eigene Industrie am Golf aufzubauen. Süd-Chemie kann nach eigenen Angaben die Investitionen zur Zeit noch gut finanzieren. Dennoch kappt von Au seinen Investitionsetat in diesem Jahr von 75 Mio. auf 40 Mio. Euro. Bei einem Ausbau der Zukunftssparten würde das Unternehmen aber schnell an seine Grenzen stoßen. „Dann haben wir einen Riesenkapitalbedarf“, sagt von Au, zumal Süd-Chemie auch auf der Suche nach weiteren Zukäufen sei.

Im vergangenen Jahr gab es fünf Akquisitionen, zuletzt wurde unter anderem ein BASF-Werk in China übernommen. Auch bei künftigen Zukäufen hat von Au vor allem einzelne Werke sowie kleinere Technologieträger im Visier. Viel Hoffnung setzt von Au in die Zukunftsfelder Elektromobilität und Biokraftstoffe. Süd-Chemie verfügt über zahlreiche Katalysatortechniken, mit deren Hilfe sich Biokraftstoffe der zweiten Generation gewinnen lassen. Im Zukunftsfeld Elektroautos rechnet sich Süd-Chemie ebenfalls gute Chancen aus. Die Münchener haben ein Patent auf ein Verfahren zur Herstellung von Lithium-Eisen-Phosphat Kathoden, einer wichtigen Komponente für die Batterien von Elektroautos.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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