Expansionspläne bei Sabic: Scheichs greifen etablierte Chemieriesen an

Expansionspläne bei Sabic
Scheichs greifen etablierte Chemieriesen an

Der arabische Sabic-Konzern attackiert die etablierten westlichen Chemieriesen wie Dupont und Dow in den USA oder BASF und Lanxess in Europa. Mit einem gewaltigen Kapazitätsausbau will nun das Geschäft mit Spezialchemie forcieren. Den etablierten Chemieriesen droht ein gefährlicher Wettbewerber.
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RIAD. Wie eine Art Triumphbogen thront die Firmenzentrale der Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) im Nordosten Riads. Oben in der 14. Etage, wo Konzernchef Mohamed Al-Mady seine Gäste empfängt, bietet sich ein weiter Blick über Saudi-Arabiens Hauptstadt.

Die Stätten seiner Triumphe freilich sind von hier aus nicht zu sehen. Sie flimmern 400 Kilometer östlich im heißen Wüstenwind und bestehen in erster Linie aus einem komplexen Wirrwarr an Rohren und Reaktoren. Es sind riesige Fabriken, die Gas und Öl aus der saudischen Wüste in Chemikalien und Kunststoffe verwandeln. Gut drei Jahrzehnte hat Al-Mady daran gearbeitet, um aus dem Nichts einen der größten Petrochemiehersteller der Welt aufzubauen, einen Konzern mit zuletzt 28 Mrd. Dollar Umsatz, 33 000 Mitarbeitern und der höchsten Börsenbewertung in der Chemiebranche.

Jetzt bereitet er die nächste Phase der Expansion vor: Sabic will sich in Zukunft nicht mehr alleine auf das Geschäft mit einfachen Grundprodukten und billigem Plastik konzentrieren, sondern stärker im weiten Feld der Spezialchemie expandieren. Der arabische Konzern drängt damit in die Domäne der etablierten westlichen Chemieriesen wie Dupont und Dow in den USA oder BASF und Lanxess in Europa. Vor allem höherwertige Kunststoffe, wie sie heute in der Automobil- und Flugzeugindustrie eingesetzt werden, hat Firmenchef Al-Mady im Auge. Vor drei Jahren kaufte er sich eine erste Basis und globale Marktpräsenz auf dem Gebiet – mit der Übernahme von GE Plastics, einer Tochter des US-Konzerns General Electric. Sabic wurde damit zu einem Hauptkonkurrenten für Bayer im Bereich Polycarbonate, einem harten Kunststoff, aus dem unter anderem DVDs und Computergehäuse entstehen.

Interesse an Übernahmen und Partnerschaften

Al-Mady signalisiert Interesse an Übernahmen und Partnerschaften und an einem Einstieg in das Geschäft mit Kunststoffen wie Polyurethane, Nylon oder Synthese-Kautschuk. Man arbeite daran, das Sortiment durch solche Produkte zu erweitern, „ob durch organisches Wachstum oder Akquisitionen“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Hinter den Ambitionen steht auch industriepolitisches Kalkül. Das saudische Königreich, das den Konzern mit 70 Prozent Kapitalanteil kontrolliert, will mehr Arbeitsplätze schaffen und die Chemie dazu als Hebel nutzen. Heute wird die Produktion überwiegend nach Asien oder Europa exportiert. Aber je mehr höherwertige Kunststoffe und Chemieprodukte von der heimischen Petrochemie produziert werden, so das Kalkül, desto eher können Verarbeiter im Land etabliert werden, die daraus Komponenten für Autos oder Konsumgüter produzieren. „Manchmal schafft das Angebot die Nachfrage“, ist der Sabic-Chef überzeugt.

Al-Mady, Jahrgang 1948, gilt in der Branche als ein strategischer Kopf und intimer Kenner des Chemiegeschäfts. Einst studierte er Chemie in den USA, bevor er seine Laufbahn bei Sabic begann. Zu Hause in Riad trägt er wie fast alle Mitarbeiter die traditionelle Dishdasha, das schlichte weiße Gewand der Araber mit rot-weißem Kopftuch. Mit ruhiger Hand skizziert er seine Strategie und gibt sich dabei bescheiden. Dass Sabic allmählich ein ernster Konkurrent für BASF werden könnte, nein, das sei doch weit übertrieben.

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  • Ja, mehr konkurrenz schadet überhaupt nicht, in einem Markt ist das richtig so. West-konzerne brauchen keine unangreifbare stellung zu haben, weder beim auto noch in der chemie. sabic ist nun ein konkurrent, den sie nicht so einfach wegkriegen. Vor Jahren schon sagte mir ein bekannter, daß in arabien unglaubliche Kapazitäten aufgebaut würden.

  • ist doch prima wenn es noch mehr Chemieriesen gibt......mir geht das Zumüllen mit Plastik und das Vergiften der ganzen Welt eh viel zu langsam !!!

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