Expansionspläne
Fonds spekulieren auf Bayer-Umbau

Die überraschende Übernahme-Offerte von Bayer für die Berliner Schering AG hat die Struktur des Leverkusener Chemie- und Pharmakonzerns ins Blickfeld der Finanzmärkte gerückt.

FRANKFURT. Vor allem britische Fonds, so die Vermutung von Analysten, setzen darauf, dass Bayer mittelfristig die Chemie- und Agrochemie-Aktivitäten abspalten könnte, um sich ganz auf das erweiterte Gesundheitsgeschäft zu konzentrieren. Vor allem diese Erwartung habe den Kurs von Bayer nach oben getrieben.

Bayer hat sich am Donnerstag mit Schering auf eine Übernahme des Berliner Konzerns zum Preis von 86 Euro je Aktie geeinigt und damit ein feindliches Angebot der Darmstädter Merck-Gruppe übertrumpft.

Bayer-Chef Werner Wenning erteilte Überlegungen in Richtung einer Strukturveränderung bei Bayer indessen eine klare Absage. Bayer halte an der bisherigen Strategie fest. "Wir wollen in allen drei Bereichen eine führende Stellung einnehmen", sagte er.

Immerhin demonstriert der Leverkusener Konzern mit den Verkaufsplänen für die Chemietöchter HC. Starck und Wolffs Walsrode aber auch, dass er die Definition seines Kerngeschäfts durchaus opportunistisch handhabt. Zudem verschieben sich mit der Übernahme von Schering die Gewichte im Bayer-Konzern erheblich: Mit künftig fast 50 Prozent Umsatzanteil wird die Gesundheitssparte erstmals zum klar dominierenden Teilbereich des Leverkusener Konzerns. Im Pharmageschäft kehrt Bayer ins obere Mittelfeld der Branche zurück. Hier will sich der Konzern künftig vor allem auf Spezialitäten konzentrieren, das heißt Medikamente, die von Fachärzten verordnet werden und nicht von Allgemein-Medizinern. Wenning signalisiert dabei Bereitschaft, auch nach der Schering-Übernahme weiter zuzukaufen, sowohl im Pharmabereich als auch bei Diagnostika und rezeptfreien Medikamenten (OTC). Das Gewicht des Bereichs Gesundheit dürfte also noch weiter wachsen und damit womöglich auch der Druck in Richtung Desinvestitionen.

Denn die Schering-Übernahme wird immerhin rund 16 Mrd. Euro Schulden in der Bayer-Bilanz hinterlassen. Das ergibt sich aus der bereits bestehenden Verschuldung, dem Kaufpreis von ebenfalls 16 Mrd. Euro, der Ausgabe von neuen Aktien und Wandelanleihen im Umfang von vier Mrd. Euro sowie erwarteten Erlösen aus den beiden Desinvestitionen von etwa zwei Mrd. Euro. Im Vergleich zu den meisten Pharmafirmen wird Bayer damit eine relativ hohe Verschuldung zu tragen haben.

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