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Kein Durchbruch bei VW-Tarifrunde

Im Tarifstreit bei Europas größtem Autobauer Volkswagen hat sich auch in der fünften Verhandlungsrunde am Donnerstag kein Durchbruch abgezeichnet. Die Gewerkschaft kündigte mit Ablauf der Friedenspflicht in der Nacht auf Freitag erste Warnstreiks in den Werken in Braunschweig, Hannover und Kassel an.

HB HANNOVER. In der nächsten Woche sollen die befristeten Arbeitsniederlegungen ausgeweitet werden. Nach Angaben der IG Metall sollen die Gespräche am Montag in Hannover fortgesetzt werden.

„Wir arbeiten an mehreren Themen“, sagte VW-Chefunterhändler Josef-Fidelis Senn am Donnerstagabend in Hannover während einer Verhandlungspause. „Es wird aber so sein, dass wir am heutigen Abend nicht fertig werden.“ Die IG Metall erklärte, VW sei in den mehrstündigen Gesprächen von keiner seiner Forderungen nach drastischen Kostensenkungen abgerückt. Bei der Sicherung der gut 100.000 Arbeitsplätze in den westdeutschen Werken scheine eine Einigung aber nach wie vor möglich, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine.

Obwohl VW-Personalvorstand Peter Hartz zuvor in einem Interview neue Vorschläge für die Verhandlungen angekündigt hatte, war am Rande der Gespräche zwischen dem VW-Management und der IG Metall in Hannover von verhärteten Fronten die Rede. Das VW-Management verhandelte dort bereits in fünfter Runde mit der IG Metall über einen neuen Haustarif für die gut 100.000 Beschäftigten in den westdeutschen VW-Werken. Der unter heftigen Gewinneinbrüchen leidende Konzern fordert einen zweijährigen Verzicht der Beschäftigten auf Lohn- und Gehaltssteigerungen. In der Tarifrunde sollen zudem konkrete Schritte zur Senkung der Personalkosten um eine Milliarde Euro vereinbart werden. Weitere Einsparungen soll es in den folgen Runden geben, so dass die Personalkosten 2011 um insgesamt zwei Milliarden Euro niedriger sind als heute.

Die IG Metall war unlängst von ihrer ursprünglichen Forderung nach vierprozentigen Einkommenserhöhungen abgerückt und will nun die Hälfte erreichen. Außerdem soll der Konzern eine Zusage zur Sicherung der Arbeitsplätze abgeben.

Ebenfalls am Donnerstag hatte Europas größter Autobauer für das dritte Geschäftsquartal einen Einbruch seines operativen Gewinns - ohne Sondereffekte etwa für Sparprogramme - um 23 Prozent auf 487 Millionen Euro bekannt gegeben. In den ersten neun Monaten rutschte die besonders unter der auch in Deutschland tobenden Rabattschlacht leidende Markengruppe VW mit 47 Millionen Euro operativ in die Verlustzone. Durch einen höheren operativen Gewinn der Tochter Audi sowie gute Geschäfte mit Finanzdienstleistungen konnte VW dies wettmachen. Für die ersten neun Monate stehen aber nur 1,47 Milliarden Euro zu Buche nach 1,85 Milliarden vor Jahresfrist. Der Konzernüberschuss brach um mehr als 40 Prozent auf 459 Millionen Euro ein.

Personalvorstand Hartz hatte unmittelbar vor Beginn der Verhandlungen in Hannover in einem Zeitungsinterview neue Vorschläge zur langfristigen Beschäftigungssicherung in den westdeutschen Werken angekündigt. „Wir werden einen Beschäftigungsatlas für jedes Werk vorlegen, aus dem jeweils klar hervorgeht, welche Mitarbeiterstärke und welche Produkte geplant sind“, hatte er gesagt. „Wir müssen eine Lösung hinbekommen, mit der man den Leuten nicht das Geld aus der Tasche zieht und dennoch die Arbeitskosten senkt.“

IG-Metall-Verhandlungsführer Meine sagte auf einer Protestkundgebung vor über 4000 VW-Beschäftigten am Rande der Verhandlungen, die Konzern-Spitze sei bisher von keiner ihrer Forderungen nach drastischen Kostensenkungen abgerückt. Am Montag will die Gewerkschaft ihre Warnstreiks ausweiten.

Gleichzeitig wird in der kommenden Woche mit weiteren Verhandlungen gerechnet. Nach Informationen der Tageszeitung „Die Welt“ wollen die Verhandlungsparteien bis zur Sitzung des Aufsichtsrates am 12. November einen Tarifabschluss vorlegen.

Das Kontrollgremium will dann weit reichende Investitionsentscheidungen beschließen. Bis dahin solle es zwei weitere Verhandlungsrunden geben, berichtete die Zeitung ohne Angabe von Quellen.

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