Experten-Analyse
Hedge-Fonds offenbar bei Hochtief eingestiegen

Nach Berechnungen von Bankern und Börsianern haben sich Hedge-Fonds mittlerweile mit knapp 15 Prozent bei Hochtief eingekauft. Darauf deuten nach Expertenmeinung die Handelsumsätze an der Börse hin. Der Baukonzern wehrt sich gegen eine Übernahme durch das spanische Unternehmen ACS. Was die Entwicklung für Hochtief bedeutet.
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FRANKFURT. Die Zeit spielt gegen Hochtief – dieser Überzeugung sind zumindest Banker in Frankfurt. Nach ihren Berechnungen haben sich Hedge-Fonds mittlerweile mit knapp 15 Prozent in das Unternehmen eingekauft. Die neuen Aktionäre aber wetten auf ein höheres Übernahmeangebot – und nicht darauf, dass Hochtief dauerhaft eigenständig bleibt.

Die Spekulation der Banker beruht auf einer Analyse der Umsätze der Hochtief-Aktie im Handel an der Deutschen Börse. Seit 16. September, dem Tag, an dem die Übernahmeabsichten des spanischen Baukonzerns ACS öffentlich wurden, sind insgesamt elf Millionen der Papiere gehandelt worden. Gerade in den ersten Tagen lagen die Umsätze um ein Vielfaches über dem langfristigen Durchschnitt.

Bei 70 Mio. ausstehenden Aktien entspricht das Handelsvolumen der letzten drei Wochen rund 15 Prozent. Der Großteil dieser Aktienkäufe, so vermuten Börsenexperten, geht auf Investoren zurück, die auf ein Gelingen der Übernahme spekulieren – und nicht auf ihr Scheitern. Es seien Hedge-Fonds oder andere sogenannte „aktive Anteilseigner“, die eine höhere Offerte erwarten.

Bisher hat ACS nur ein äußerst unattraktives Tauschangebot in Aussicht gestellt, das einem Wert pro Aktie von knapp 56 Euro entspricht. Hochtief schloss gestern bei 63,60 Euro.

Zusammen mit den 29,98 Prozent an Hochtief, die ACS als Großaktionär bereits besitzt, halten die Übernahme-Befürworter somit bis zu 45 Prozent an Deutschlands größtem Baukonzern. Da der Streubesitz relativ hoch ist und Kleinaktionäre ihre Stimmrechte bei Hauptversammlungen selten ausüben, dürfte dieser Block eine Hauptversammlungsmehrheit darstellen.

Das aber schwächt Hochtief im Abwehrkampf gegen den Angreifer aus Madrid. Sollte Hochtief beispielsweise selbst ein Übernahmeangebot für ein anderes Unternehmen abgeben, könnte das die Pläne von ACS zwar nachhaltig stören – oder gar verhindern. Doch die Aktionäre könnten dann wiederum versuchen, diese Pläne auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zu Fall zu bringen. Auch eine Erhöhung des Kapitals über das genehmigte Maß hinaus bedürfte der Zustimmung der Aktionäre, mit der Hochtief nicht mehr unbedingt rechnen kann.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
Wolfgang Reuter
Wolfgang Reuter
Handelsblatt / Ressortleiter

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