Experten bezweifeln Wirtschaftlichkeit der deutschen Kohlenförderung
Kritik an Zechenplänen der RAG

Der Vorschlag von RAG-Chef Werner Müller, angesichts der rasant gestiegenen Weltmarktpreise für Kokskohle die Kokerei- und Förderkapazitäten in Deutschland zu erweitern, ist gestern bei Politikern auf Kritik gestoßen. Auch der Verband der Kohle- Importeure äußerte Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der deutschen Kohleförderung.

mjh DÜSSELDORF. In einem Interview mit dem „Stern“ hatte der frühere Bundeswirtschaftsminister Müller gesagt: „Die Preise für Koksimporte sind explodiert. Deutschland besitzt eine Milliarde Tonnen guter Kokskohle. Da stellt sich die Frage nach neuen Kokskohle-Zechen und Kokereien, um wieder unabhängig vom immer knapperen Weltmarkt zu werden.“ Die energiepolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Michaele Hustedt, kommentierte: „Die stark gestiegenen Weltmarktpreise für Kokskohle lassen den Ausbau der deutschen Steinkohleförderung vielleicht wirtschaftlicher erscheinen, eine Rechtfertigung für neue staatliche Subventionen sind sie nicht.“

Der Einfuhrpreis für Kokskohle lag im ersten Halbjahr 2004 bei 80 Euro je Tonne und hat sich damit gegenüber 2003 fast verdoppelt. Die Förderkosten der RAG-Tochter DSK betragen knapp 160 Euro pro Tonne. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle sagte: „Die Forderung nach neuen Zechen ist durchsichtig und vordergründig.“

Der enorme Bedarf Chinas hat Koks knapp und teuer gemacht. Seit Anfang 2003 hat sich der Weltmarktpreis für Koks zur Stahlherstellung auf 250 bis 300 Dollar pro Tonne mehr als verdoppelt. Zu diesen Preisen könne deutsche Kohle ohne Subventionen gefördert werden, behauptet Müller im „Stern“.

Für die Produktion einer Tonne Koks werden etwa 1,3 Tonnen Kokskohle benötigt. Beim Einsatz deutscher Kokskohle ergibt das knapp 200 Euro Produktionskosten. Hinzu kommen Verkokungskosten von 40 Euro je Tonne. Nur wenn der Kokspreis so hoch bliebe wie jetzt, wäre Koks aus deutscher Kokskohle wirtschaftlich.

Wolfgang Ritschel, Geschäftsführer des Vereins der Kohle-Importeure in Hamburg, bezweifelt das. Er erwartet, dass sich die Lage auf dem Kokskohlenmarkt entspannt. So habe der australische Konzern BHP angekündigt, seine jährliche Kokskohleförderung von 58 auf 100 Mill. Tonnen zu verdoppeln. „Deutsche Kohle ist ohne Subventionen langfristig auf dem Weltmarkt nicht wettbewerbsfähig“, sagte Ritschel.

Ein Sprecher des österreichischen Stahlherstellers Voestalpine bestätigte, der Konzern sei an Gesprächen über das „Projekt Prosper“ beteiligt. Die RAG will die Kapazität der dortigen Kokerei um 1,5 Mill. Tonnen erweitern. Die Kosten von 300 Mill. Euro sollen die Stahlhersteller tragen. Ein Sprecher von Arcelor sagte, die Verhandlungen über eine langfristige Abnahmeverpflichtungen seien „auf gutem Weg“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%