Experten erwarten politische Widerstände bei einer Zerschlagung des Konzerns
Zerschlagungsgerücht lässt Daimler-Aktie kalt

In der Finanzbranche wird über das angebliche Interesse von Finanzinvestoren am Kauf der Daimler-Chrysler-Beteiligung der Deutschen Bank gerätselt.

HB LONDON. Von entsprechenden Anfragen oder Angeboten an Deutschlands größtes Geldhaus sei in der Branche nichts bekannt, hieß es am Freitag in Finanzkreisen. Eine Übernahme und Zerschlagung von Daimler-Chrysler - wie in dem Bericht der „Financial Times“ (FT) geschildert - sei äußerst unwahrscheinlich. Mehrere Quellen verwiesen in diesem Zusammenhang auch auf zu erwartende politische Widerstände. Darüber hinaus sei es unwahrscheinlich, dass die Deutsche Bank zum derzeitigen Kurs verkaufe. Die Beteiligung stehe mit einem Preis „in Richtung 40 Euro“ in den Büchern.

Die Daimler-Chrysler-Aktie notierte am Vormittag mit einem Abschlag von 1,2 Prozent bei 31,66 Euro. Die FT hatte am Freitag berichtet, Finanzinvestoren hätten in den vergangenen Monaten mehrfach bei Daimler-Großaktionären Interesse an deren Beteiligungen angemeldet. Das Blatt nannte neben der Deutschen Bank, die 10,4 Prozent an dem deutsch-amerikanischen Autobauer hält, auch Kuwait. Drittgrößter Anteilseigner ist seit kurzem das Golf-Emirat Dubai. Zusammen halten die drei Großaktionäre 20 Prozent Daimler-Chrysler. Das Emirat ist mit 7,2 Prozent an Daimler-Chrysler beteiligt.

Die Angebote seien jedoch als zu niedrig abgelehnt worden, berichtete die Zeitung. Ziel sei eine Zerschlagung von Daimler-Chrysler gewesen.

Die Aktie von Daimler-Chrysler hat am Freitag kaum auf den Bericht reagiert. Die Aktie notierte am Morgen bei 31,72 Euro über ein Prozent im Minus und folgte damit der Entwicklung der anderen Autotitel. Der Deutsche Aktienindex verlor zu Handelsbeginn mehr als ein Prozent auf 4353 Punkte. Weder die Deutsche Bank noch DaimlerChrysler selbst wollten den Zeitungsbericht kommentieren.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas geschieht, ist relativ gering“, schätzt Michael Raab, Analyst des Bankhauses Sal. Oppenheim. Eine komplette Übernahme von DaimlerChrysler würde bei einem Unternehmenswert von 113 Milliarden Euro zwischen 125 bis 130 Milliarden Euro kosten, da ein Käufer einen Übernahmezuschlag von rund zehn Prozent zahlen müsste. „Um diese Summe zu zahlen, müssten sich mehrere Finanzinvestoren zusammentun“, sagte Raab. Je größer ihre Zahl, desto weniger wahrscheinlich sei, dass sich die Investoren auf eine Strategie einigen könnten.

„Es ist kaum zu erwarten, dass die Deutsche Bank Deutschlands größten Industriekonzern in ausländische Hände gibt“, sagte Robert Heberger vom Bankhaus Merck Finck. Daimler sei der „Stolz der Deutschen.“ Beim Emirat Kuwait könne er sich allerdings vorstellen, dass deren Investmentverwaltung bei einem entsprechenden Angebot Anteile verkaufen würde.

„Das klingt zwar zunächst abenteuerlich, ist aber nicht völlig aus der Welt“, sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Mit Blick auf Kritik am Management sei DaimlerChrysler sei „ein absoluter Kandidat“ für Übernahmeversuche, fügte er hinzu.

Der Branchenexperte einer anderen Frankfurter Bank sagte, er könne sich vorstellen, dass Private-Equity-Fonds Anteile an Daimler-Chrysler erwerben, um das Management auszutauschen. „Das wäre eine Methode, um (Vorstandschef Jürgen) Schrempp loszuwerden.“

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