Experten erwarten verbessertes Angebot
Analysten: Übernahme von Scania durch MAN rückt näher

Die Übernahme des schwedischen LKW-Konzerns Scania durch den Konkurrenten MAN rückt nach dem Einstieg von Volkswagen bei MAN näher. Laut Industriekreisen hat MAN mit den beiden Scania-Großaktionären VW und Investor gestern intensiv verhandelt. Ein neues, verbessertes Angebot von MAN für Scania sei in den nächsten Stunden zwar noch nicht zu erwarten, aber nur noch eine Frage der Zeit.

cha / hz / hst MÜNCHEN / STOCKHOLM. Dass MAN sein Angebot komplett zurückziehe und in direkte Gespräche mit VW und Investor trete, sei wenig wahrscheinlich. VW will am Montag Details zum Einstieg bei MAN nennen.Volkswagen hatte sich am Dienstag für etwa 1,5 Mrd. Euro ein 15-prozentiges Paket an MAN gesichert und ist seit Jahren mit 30 Prozent der Stimmrechte wichtigster Einzelaktionär auch bei Scania. VW hatte das erste Angebot von MAN für Scania wie auch der zweite Großaktionär Investor zunächst abgelehnt. Nach dem Kauf des MAN-Pakets aber ist der Volkswagen-Konzern nun zum Gestalter der industriellen Lösung geworden und will mit der MAN-Beteiligung sein „strategisches Interesse am Nutzfahrzeuggeschäft sichern“. Dabei geht es auch um die Zukunft der brasilianischen LKW-Tochter von VW.

Nach Einschätzung vieler Beobachter muss VW angesichts des starken Engagements bei MAN und Scania nun für das Gelingen der Fusion eintreten. Andernfalls wäre VW durch den absehbaren Preisverfall der Aktien doppelt geschädigt. Volkswagen werde mit MAN daran arbeiten, einen akzeptablen Preis für seine Scania-Anteile zu verhandeln, meinten Analysten bei Merrill Lynch. Auch Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank hält eine Übernahme jetzt für sehr wahrscheinlich. Er erwartet ein von 442 auf etwa 500 Kronen verbessertes Angebot je Scania-Papier. Ulrich Scholz von Sal. Oppenheim hingegen glaubt, dass der Deal nur bei 475 Kronen noch sinnvoll sei. Die Märkte reagierten, Scania kosteten am Donnerstag fast unverändert 480 Kronen, MAN-Papiere gaben weitere drei Prozent auf gut 66 Euro nach.

MAN-Chef Hakan Samuelsson ist damit dem Ziel der Scania-Übernahme nahe, er wird aber einen Großaktionär bekommen, der mitregieren will. In Kreisen des MAN-Aufsichtsrats hieß es, Samuelsson könne mit einem starken Großaktionär VW leben. Dagegen gelten die Tage von Scania-Chef Leif Östling in Stockholmer Analystenkreisen schon als gezählt. Östling sei zu skeptisch gegenüber Synergien in der LKW-Ehe. VW hatte gerade diese Chancen betont.

HVB-Analyst Stürzer verweist darauf, dass das Vorgehen von VW sehr an die Strategie von Porsche beim Kauf einer Volkswagen-Sperrminorität erinnere. Er erwartet klaren Einfluss von Porsche beim künftigen europäischen Marktführer für Lastkraftwagen. In Branchenkreisen gilt VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär Piëch als Treiber für die aktive Rolle von VW im Fusionsgeschehen.

Am Scania-Großaktionär Investor dürfte die Fusion kaum mehr scheitern. Man habe „beste Kontakte zu VW“, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt. Die Zusammenarbeit mit den Wolfsburgern bestehe seit 1948, als die Gesellschaft Scania Vabis den VW-Vertrieb in Schweden übernahm. In Stockholm gilt es als unwahrscheinlich, dass Investor am neuen LKW-Konzern entscheidend beteiligt werden möchte. Die Position der Holding sei geschwächt, da sie sich sehr passiv verhalten habe, sagte ein Analyst.

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