Experten halten Trennung von kompletter Tiefkühlsparte für wahrscheinlich
Unilever wird wohl Käpt’n Iglo entlassen

Unilever prüft offenbar einen Verkauf seines Geschäftes mit Tiefkühlprodukten. Während der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern sich gestern nicht zu einer möglichen Trennung von seiner Tiefkühlsparte äußern wollte, halten Marktexperten dies jedoch für wahrscheinlich. Laut Analystenmeinungen könnte ein Komplettverkauf mehrere hundert Millionen Euro einbringen.

ire DÜSSELDORF. Nach britischen Zeitungsmeldungen hat der Hersteller von Dove-Körperpflegeprodukten, Rama-Margarine und Magnum–Eiskrem das Investmenthaus Goldman Sachs mit einer Überprüfung der Verwertungsmöglichkeiten für seine Tiefkühlsparte, die auch einen Verkauf nicht ausschließen, beauftragt. Aber auch aus Kreisen des Investmenthauses war am Dienstag keine Information darüber zu bekommen .

Analysten halten eine Trennung von der Tiefkühlmarke Iglo für sinnvoll. „Unilever hat sich in der letzten Zeit mit seiner Tiefkühlsparte sehr schwer getan“, berichtet Barbara Ambrus von der Landesbank Baden-Württemberg (LB-BW). Während das Eisgeschäft bei Unilever Unternehmensangaben zufolge gut läuft, ist man mit den Haushaltsprodukten und der Tiefkühlkost insbesondere in Europa unzufrieden. Unilever hat seine Marktanteile in Westeuropa zwar insgesamt stabilisieren können, liegt nach Veröffentlichung der Halbjahreszahlen Anfang des Monats aber immer noch unter den Werten des Vorjahres. Und gerade die Ergebnisse des Jahres 2004 waren nicht zur Zufriedenheit der Unilever-Aktionäre ausgefallen.

Hauptsächlich aber wegen des Desasters mit der US-Diät-Marke „Slim Fast“, die erhebliche Wertberichtigungen erforderlich machte, musste der langjährige Vorstandschef Antony Burgmans Anfang April den Stuhl für seinen Co-CEO Patrick Cesceau räumen, der das Unternehmen seitdem alleine führt. Während schon Burgmans das Portfolio des Konzerns von einst 1600 auf nunmehr rund 400 Marken zusammengestrichen hatte, hat Unilever unter Cesceaus Führung die Führungsstrukturen gestrafft und beispielsweise die bislang getrennten Sparten Lebensmittel- und Haushaltsprodukte in vielen Ländern zusammengeführt.

Das Geschäft mit tiefgekühlten Pizzas und Snacks hat der niederländisch-britische Konzern bereits an den Bielefelder Nahrungsmittelproduzenten Dr. Oetker abgegeben. Deshalb halten Analysten auch den Verkauf der restlichen Tiefkühlsparte, deren Umsätze Unilever nicht separat ausweist, für wahrscheinlich. Nun liegt es offenbar an den Investmentbankern von Goldman Sachs, für den unattraktiveren Teil der Sparte einen Käufer zu finden. Denn während in Deutschland nach Angaben von AC Nielsen der Gesamtumsatz mit Tiefkühlkost im Handel – ohne Aldi – im vergangenen Jahr 7,3 Prozent auf 3,3, Mrd. Euro zulegte, betrug das Wachstum bei Tiefkühlgemüse nur 0,3 Prozent.

Vor allem bei Tiefkühlgemüse sei Unilever unter starken Preisdruck durch Eigenmarken des Handels geraten. Zwar verarbeite Unilever vornehmlich Rohwaren aus nachhaltigem Anbau, aber diesen Mehrwert belohnten die Verbraucher offenbar nicht mit barer Münze, so Ambrus. Auch für die Fischstäbchen der Marke „Käpt’n Iglo“ seien viele Konsumenten offensichtlich nicht bereit, einen höheren Preis zu zahlen. Deshalb macht es nach Meinung der Analystin Sinn, die komplette Sparte – allerdings ohne das lukrative Eiskremgeschäft – alsbald zu verkaufen.

Tiefkühlkost: Bei den Verbrauchern beliebt

Nord-Süd-Gefälle: In Europa haben die Briten und die Skandinavier mit über 40 Kilogramm den höchsten jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch an Tiefkühlkost. Die Deutschen liegen mit rund 37 Kilo knapp dahinter, während die Italiener frische Waren bevorzugen.

Starke Discounter: Von der seit Jahren positiven Entwicklung auf dem Tiefkühlmarkt profitiert zwar auch der Handel, die Discounter wachsen mit ihren Eigenmarken aber zweistellig und halten beispielsweise in Deutschland einen Marktanteil von 30 Prozent.

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