Experten rechnen mit Akquisitionen ab Mitte 2005
Industriefirmen bauen Geldreserven aus

Die führenden deutschen Industriekonzerne haben in den vergangenen beiden Jahren ihre Finanzkraft deutlich verbessert und ihre Liquiditätsreserven kräftig ausgebaut. Das zeigt eine Analyse der Industrieunternehmen im Dax 30.

shf FRANKFURT/M. Sie verfügten Ende September über liquide Mittel von zusammen knapp 102 Mrd. Euro – vier Prozent mehr als zu Jahresbeginn und etwa ein Drittel mehr als vor zwei Jahren. Die Nettoverschuldung hat sich seit 2002 um mehr als 30 Mrd. Euro auf 226 Mrd. Euro vermindert. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich im Schnitt um knapp zwei Punkte. Fachleute sehen daher Chancen, dass sich in der zweiten Hälfte 2005 die Bereitschaft der Unternehmen zu Akquisitionen wieder verstärken könnte.

Die Bilanzrelationen profitierten in den vergangenen beiden Jahren von steigenden Gewinnen, sinkenden Investitionen und Desinvestitionen. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres ist den Unternehmen erstmals seit drei Jahren wieder mehr Geld durch den Verkauf von Teilbereichen oder Tochterfirmen zugeflossen, als sie für Akquisitionen ausgegeben haben.

Während die Nettogewinne um fast 60 Prozent zulegten, sind indessen die Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft in den ersten neun Monaten kaum noch gestiegen. Der frei verfügbare Cash-Flow (nach Sachinvestitionen) ist sogar leicht gesunken.

Dessen ungeachtet gehen Investmentbanker davon aus, dass die Unternehmen ihre Geldreserven nach und nach auch wieder für Zukäufe nutzen werden. Mark Precious, Aktienstratege der Schweizer Großbank UBS, sieht einen entsprechenden Trend für den gesamten europäischen Raum. Andreas Hürkamp von der Landesbank Rheinland-Pfalz rechnet dagegen damit, dass zunächst noch ein Anstieg der Dividendenzahlungen im Vordergrund stehen wird: „Viele Unternehmen hatten sich Anfang des Jahrzehnts mit Großinvestitionen die Finger verbrannt und dürften daher eher vorsichtig bleiben.“

Allerdings schließt auch die Landesbank Rheinland-Pfalz nicht aus, dass sich im zweiten Halbjahr Akquisitionsaktivitäten der Dax-Unternehmen verstärken könnten. In diese Richtung deuten einige Transaktionen der vergangenen Monate, so etwa der Einstieg von Continental bei Phoenix oder der Kauf der Sparte für rezeptfreie Medikamente von Roche durch den Bayer-Konzern. Siemens bereitet die Übernahme von VA Tech in Österreich vor und will unter anderem die Bereiche Medizintechnik und Energietechnik verstärken. BASF und Altana äußerten jüngst verstärktes Interesse an Zukäufen im Bereich Spezialchemie. Auch die Pläne des Eon-Konzerns, sein Investitionsvolumen in den kommenden drei Jahren um ein Drittel zu erhöhen, deuten auf eine gewisse Trendwende. Etwa vier Mrd. Euro hat der Energiekonzern für Zukäufe vorgesehen.

Quelle: Handelsblatt

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