Experten von KPMG sehen hohe Überkapazitäten – Preise schon jetzt unter Druck
Chinas Automarkt vor Überhitzung

Der chinesische Automarkt könnte innerhalb weniger Jahre vom Hoffnungsträger zum Problemfall werden: Nach einer Prognose der Beratungsgesellschaft KPMG drohen in China bereits 2005 dramatische Überkapazitäten.

hof/hz FRANKFURT. „Von den nach Herstellerangaben zu erwartenden 4,9 Millionen gebauten Fahrzeugen dürften sich nur knapp 2,6 Millionen absetzen lassen“, sagte KPMG-Experte Paul Brough am Rande der IAA bei einer Handelsblatt-Tagung zur Automobilindustrie in Frankfurt. Dabei wird in zwei Jahren erst ein Teil der angekündigten Milliardeninvestitionen für neue Produktionslinien in China umgesetzt sein.

Das bisher nur wenig risikobehaftete China-Geschäft wird künftig sensibler, warnte auch Ferdinand Dudenhöffer vom Prognose-Institut B&D Forecast. 2005 werde sich eine erste Sättigung auf dem Automarkt zeigen, und die Hersteller würden Überkapazitäten produzieren. Schon jetzt tobt in China ein Preiskampf. Ford hat als erster ausländischer Hersteller bereits Absatzprobleme im Reich der Mitte.

Unter den Überkapazitäten leiden werden laut KPMG vor allem ausländische Hersteller, deren Anteil an den Produktionszahlen in China von heute 45 % auf 75 % im Jahr 2006 wachsen wird. Die bislang hohen Gewinnspannen werden nach Meinung der Experten künftig nicht mehr zu erzielen sein. Erste Anzeichen für einen Verfall der Preise gab es schon im ersten Halbjahr des laufenden Jahres – und das trotz eines um mehr als 80 % gestiegenen Autoabsatzes: „Im ersten Halbjahr 2003 sind die Preise bereits um 7 % gesunken. Größtenteils liegt dies an Rabatten, mit denen die Hersteller ihre Marktanteile sichern wollen“, sagt Hans-Dieter Krauss, Leiter des Bereichs Automotive bei KPMG in Deutschland.

Nicht nur KPMG tritt in China auf die Euphoriebremse: „Vieles von dem, was wir heute über China sagen, hat man vor zehn Jahren auch über Lateinamerika gesagt“, kommentiert der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) die aktuelle Goldgräberstimmung. In Brasilien, Argentinien und Mexiko haben die Automobilhersteller zuletzt riesige Verluste gemacht.

Angelockt werden die Autohersteller in China von massiven Zuwachsraten. Die Aussichten sind enorm: Fünf Millionen Autos fahren heute auf Chinas Straßen. Eine Million davon wurde 2002 verkauft. Dieses Jahr werden es fast 1,5 Millionen sein, bis 2010 werden es nach Ansicht von Experten mindestens fünf bis sechs Millionen im Jahr sein. Damit wäre China vor Deutschland der drittgrößte Automarkt der Welt.

Als letzter der großen deutschen Autohersteller hatte Mercedes kürzlich den Sprung nach China angekündigt. Beim Konkurrenten BMW lief vor wenigen Wochen bereits der erste 3er in China vom Band, der Mittelklassewagen 5er soll im Oktober folgen, sagt BMW-Vertriebsvorstand Michael Ganal. Marktführer ist jedoch unangefochten Volkswagen. VW-Chef Bernd Pischetsrieder will in den kommenden fünf Jahren die bestehenden Jahreskapazitäten in China schrittweise auf 1,6 Millionen Fahrzeuge verdoppeln. „Einen Brasilien-Effekt werden wir dabei vermeiden. Wenn wir Probleme spüren, werden den nächsten Schritt nicht machen“, sagt Pischetsrieder. BMW und Daimler-Chrysler sehen ebenfalls keine Gefahr, Geld in China zu verlieren, da sie sich mit relativ niedrigen Stückzahlen ins Premiumsegment begeben.

Doch nach Jahren des scheinbar grenzenlosen Wachstum wird der Konkurrenz- und Preiskampf in China härter. Vor allem einigen der kleinen chinesischen Autofirmen dürfte bald die Puste ausgehen, glauben Experten. BMW, Audi und Mercedes sehen sich als Premiumhersteller beim Preiskampf allerdings außen vor. Nach Ansicht von BMW-Vorstand Ganal wird sich der Markt im Luxussegment bis zum Jahr 2008 auf rund 125 000 Fahrzeuge mehr als verdoppeln und damit schneller wachsen als in anderen asiatischen Ländern. Bereits heute betrachtet BMW China als größten Markt für sein Flaggschiff 760i mit 12-Zylindern.

Einziger Ausweg für die Massenhersteller aus der Kapazitätsfalle ist, das Land als Exportstandort in die gesamte Region zu nutzen. VW und Honda haben damit schon begonnen, andere wie Toyota oder GM werden folgen, glauben Marktbeobachter: China entwickele sich nach und nach zur „Autofabrik der Welt“, sagt KPMG-Experte Krauss.

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