Experten warnen vor Abhängigkeit von Russland
Deutsche Konzerne nehmen Abstand

Das Russland-Engagement der deutschen Energiekonzerne ist Chefsache: Bundeskanzler Gerhard Schröder fordert die Branche zu noch mehr Investitionen im Osten auf – immer wieder und mit Nachdruck.

DÜSSELDORF. Bei Eon drängelt er, bei RWE und bei der BASF-Tochter Wintershall – selbst die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), die bisher kaum in Russland aktiv ist, bestätigt Kontakte. Doch die Konzerne reagieren äußerst reserviert: „Wir konzentrieren uns auf unsere laufenden Projekte“, sagt ein Wintershall-Sprecher. Man habe derzeit keine konkreten Pläne, heißt es bei der EnBW.

Die Zurückhaltung ist verständlich, der Fall Yukos wirft auch für die deutschen Konzerne Fragen auf: Wie sicher sind die Geschäfte mit den russischen Partnern? Wie abhängig darf Deutschland vom russischen Energiemarkt werden?

Die beiden Gasgesellschaften Eon Ruhrgas und Wintershall, die die intensivsten Geschäftsbeziehungen nach Russland pflegen, wiegeln ab. „Wir haben in all den Jahren keinerlei Probleme gehabt – weder bei der Zusammenarbeit mit unserem Partner Gazprom noch bei der Zusammenarbeit mit russischen Behörden oder der Politik“, sagt ein Wintershall-Sprecher. ,,Wir rechnen bei unseren Geschäftsbeziehungen auch nicht mit Schwierigkeiten.“ Ähnlich hat sich wiederholt auch Eon-Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann geäußert.

Ohne Brisanz ist der Fall Yukos aber vor allem für Eon nicht. Deutschlands größter Energiekonzern ist mit 6,5 Prozent am weltgrößten Gaskonzern Gazprom beteiligt, jenem Unternehmen, das vermutlich den Zuschlag in der umstrittenen Auktion der Yukos-Fördergesellschaft bekommen wird. Zudem sitzt Bergmann im Gazprom-Direktorium. Wochenlang kursierten sogar Gerüchte, Eon könne sich an der Auktion beteiligen – sie wurden von Eon aber entschieden dementiert.

Für Eon, Wintershall und Co. ist Russland von strategischer Bedeutung: Rund ein Drittel des Gases bezieht Deutschland von dort – Tendenz steigend. Und Gazprom drängt seine Partner zu milliardenschweren Investitionen. Sie sollen sich an der Gasförderung und einer neue Pipeline durch die Ostsee beteiligen.

Experten warnen aber vor einer zu starken Abhängigkeit vom russischen Markt. Die International Energy Agency (IEA) bezeichnete jüngst die staatlich geförderte Expansion von Gazprom als Gefahr für die Gasversorgung Europas. Die europäischen Staaten müssten ihre Bezugsquellen diversifizieren.

Das sehen aber auch die deutschen Konzerne so: Eon setzt auf Norwegen als zweites Standbein. Wintershall nahm jüngst sogar die Gasförderung in Libyen ins Visier.

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