_

Exportmarkt Indien: Deutsche Rüstungsindustrie erleidet Schlappe

Der Hersteller Eurojet verliert einen Großauftrag für Triebwerke an die US-Konkurrenz. Das Kampfflugzeug Tejas wird nun mit General Electric-Technologie fliegen. EADS befürchtet durch den Rückschlag negative Folgen für den Eurofighter.

Das indische Kampfflugzeug Tejas: Die Triebwerke liefert jetzt GM, der deutsche Hersteller Eurojet wird ausgebootet. Quelle: AFP
Das indische Kampfflugzeug Tejas: Die Triebwerke liefert jetzt GM, der deutsche Hersteller Eurojet wird ausgebootet. Quelle: AFP

NEU-DELHI. Die deutsche Rüstungsindustrie hat bei der Suche nach neuen Exportmärkten in Indien einen herben Rückschlag erlitten. Der Hersteller für Flugzeugtriebwerke Eurojet muss sich dem US-Wettbewerber General Electric(GE) geschlagen geben. Das Verteidigungsministerium hat GE als bevorzugten Lieferanten von 99 Triebwerken für das leichte Kampfflugzeug Tejas ausgewählt.

Anzeige

Damit verliert der europäische Hersteller Eurojet mit Sitz in Hallbergmoos bei München nicht nur einen Großauftrag im Wert von rund 800 Mio. Dollar. Auch die Chancen des Eurofighter in Indien sinken - und damit die Aussichten des europäischen Herstellerkonzerns EADS auf einen der weltweit größten Rüstungsdeals der nächsten Jahre.

Indien will für rund elf Mrd. Dollar 126 hochmoderne Kampfflugzeuge beschaffen. Neben dem Eurofighter bewerben sich die US-Firmen Lockheed Martin und Boeing, die russische MiG-35, der französische Hersteller Dassault (Rafale) und Saab aus Schweden um den Megaauftrag. Während der Eurofighter mit dem Eurojet-Triebwerk fliegt, sind die Konkurrenten F/A 18 von Boeing und Gripen von Saab mit dem F414-Triebwerk von GE ausgerüstet, das Indien jetzt in seinen Tejas-Kampfjet einbauen will.

EADS hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, der Triebwerk-Deal sei eine wichtige Vorentscheidung in dem beinhart geführten Wettbewerb um den Milliardenauftrag für die 126 Kampfflugzeuge. Entsprechend verärgert kommentieren Vertreter des Eurofighter-Herstellers die Niederlage ihres Triebwerk-Lieferanten. Eurojet habe falsch taktiert und deshalb den Kürzeren gezogen, heißt es hinter vorgehaltener Hand bei EADS.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle, zurzeit auf Staatsbesuch in Indien, reagierte ungehalten auf Fragen zu dem verlorenen Triebwerk-Geschäft. Barsch beschied er einem Journalisten, er wolle sich zu dem spezifischen Auftrag nicht äußern. Deutschland verfüge über "exzellente Verteidigungstechnologie", betonte er nur.

Das Werben des Ministers für die heimische Rüstungsindustrie, die wegen der Sparprogramme der Bundeswehr dringend auf neue Auslandsmärkte angewiesen ist, wird allerdings nichts mehr nützen. Die indische Regierung begründet die Entscheidung für GE damit, der US-Konzern habe unter Berücksichtigung aller Kosten das billigere Triebwerk angeboten. Zwar steht der endgültige Zuschlag für GE noch aus. Doch in deutschen Regierungskreisen macht man sich keine Hoffnung mehr, das Blatt noch wenden zu können. "Die Sache ist gelaufen", sagte ein Regierungsvertreter.

Neu-Delhi hat zur Bedingung gemacht, dass GE einen Großteil der Triebwerke in Indien fertigt. Der lokale Lieferanteil könnte am Ende durchaus auch ein Argument für die Boeing F/A 18 oder die Saab Gripen im Ringen um den Großauftrag sein. Doch der Eurofighter verliert auch in der politischen Lobbyschlacht an Boden. Anfang November kommt US-Präsident Barack Obama nach Neu-Delhi, wenig später folgen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sowie sein russischer Amtskollege Dimitri Medwedew, beide ebenfalls in Werbemission für ihre Rüstungsindustrien.

  • 20.10.2010, 01:40 UhrAnonymer Benutzer: Miles Bramarbas

    Die "Unterstützung", die Westerwelle und andere dt. Spitzenpolitiker pro deutscher Rüstungsexporte geben, ist im Vergleich zu z.b. Frankreich, Großbritannien, Russland und den USA glichermassen marginal wie dilletantisch. Wenn jeder halbwegs mit den Gepflogenheiten in Delhi Vertraute weiss, dass die indische Regierung solche Deals auch mit Nukleartechnologie in Gesamtpakete schnürt, hat Guido W. mit seinem Werben für erneuerbare Energien made in Germany auch dem EJ200-Triebwerk nebst dem Eurofighter den "kiss of death" appliziert.

  • Die aktuellen Top-Themen
Übernahmekarussell: Deutsche Wohnen kauft milliardenschweres Wohnungspaket

Deutsche Wohnen kauft milliardenschweres Wohnungspaket

Mit dem Kauf von fast 24.000 Wohnungen stemmt die Deutsche Wohnen als vierter Immobilienkonzern in diesem Jahr eine milliardenschwere Übernahme in Deutschland. Der Bestand des Konzern wächst damit um fast die Hälfte.

Intercontinental Hotels Group: „Wir wollen in Deutschland die Nummer eins werden“

„Wir wollen in Deutschland die Nummer eins werden“

Intercontinental Hotels Group will in Deutschland expandieren und die Branchenspitze erklimmen. Erstmals gibt der Weltmarktführer Einzelheiten des geplanten Projekts bekannt.

Schließungen drohen: Europas Raffinerien unter Druck

Europas Raffinerien unter Druck

Jede fünfte Raffinerie in Europa und den USA ist in den nächsten Jahren von der Schließung bedroht, so eine Studie der Beratungsgesellschaft A.T.Kearney. Die gesamte Branche sei in einem Wandlungsprozess.

  • Video

Projekt Zukunft Wie die Dinosaurier-Forschung hilft, heutige Probleme zu lösen - ein Gespräch mit Oliver Wings

Ein Gespräch mit Dr. Oliver Wings, Dinosaurier-Forscher, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, über den Nutzen der Dino-Forschung für die moderne Wissenschaft

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläen – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.