Exportpläne sind gescheitert
Amerikaner laufen mit HDW auf Grund

Der US-Finanzinvestor OEP hat sich mit seiner HDW-Beteiligung verkalkuliert und will die Kieler U-Bootwerft wieder los werden. Um deren Zukunft wird zur Zeit auch auf politischer Ebene heftig gerungen.

BERLIN/DÜSSELDORF. Das Tauziehen um die Zukunft der Kieler U-Boot-Werft Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) geht in eine neue Runde: Der US-Finanz-Investor One Equity Partners (OEP) will sich wieder von HDW trennen. Aus der Branche sowie in politischen Kreisen in Berlin heißt es, OEP suche einen Käufer für HDW. Die in die Investition gesetzten Erwartungen hätten sich nicht erfüllt. Vor allem Pläne für den Export der profitablen U-Boot-Technik nach Taiwan scheiterten an den deutschen Export-Richtlinien. Offenbar hatte man Hinweise der Bundesregierung, einen solchen Export werde man auch beim Umweg über die USA nicht genehmigen, nicht ernst genommen.

Im Poker um die Kieler Werft brodelt deshalb die Gerüchteküche: OEP bestreitet Verkaufsabsichten und spielt auf Zeit. Aus Unternehmenskreisen heißt es, die Übernahme von HDW sei eine langfristige Investition – man sei jedoch zu Verkaufs-Gesprächen bereit. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Name Thyssen- Krupp, Mutterkonzern unter anderem des traditionsreichen Schiffbauers Blohm & Voss. Hintergrund: Seit Jahren gibt es Verhandlungen über einen großen deutschen Werftenverbund.

In OEP-Kreisen heißt es, Thyssen- Krupp sei in einer „frühen Phase des Interesses“. Der deutsche Konzern bestreitet das offiziell, es gebe nur weiter Gespräche über eine künftige Beteiligung. In der „gegenwärtigen Struktur von HDW sei das aber nicht denkbar“. Dass sich OEP mit Verkaufsabsichten trägt, darauf weisen aber auch Investmentbanker hin: Der Finanzinvestor stehe unter Druck, heißt es. OEP habe den Fehler begangen, kein Sicherheitsnetz bei ihrem Engagement in die Traditionswerft einzuziehen. Jetzt seien große Verluste zu befürchten. Hinzu komme, dass sich die Banken angesichts der schlechten Konjunktur im Schiffbau bei der Vorfinanzierung von Projekten zurückhielten.

OEP, hinter der die US-Bank Bank One steht, hatte HDW im vergangenen Jahr überraschend für 100 Mill. Euro in bar und Schuldenübernahme in Höhe von 524 Mill. Euro gekauft. Verkäufer war der damals bereits insolvenzgefährdete Anlagenbauer Babcock-Borsig. Der Verkauf hatte auch politisch Wellen geschlagen, weil Stimmen laut wurden, die vor einem Ausverkauf der deutschen Rüstungsindustrie warnten. In Regierungskreisen heißt es jetzt, Berlin würde es begrüßen, wenn es jetzt doch noch zur deutschen Werftenlösung käme. Der OEP-Vertrag räumt deutschen Käufer ein Vorkaufsrecht für HDW ein.

Aber auch eine europäische Konsolidierung der Werftenindustrie ist im Gespräch. So könnte ein europäischer Partner mit einsteigen, falls die HDW-Übernahme Thyssen überfordere. Interesse dürfte auf jedem Fall der französische Thales-Konzern haben, von dessen staatlicher Beteiligung sich die Regierung in Paris trennen will. Außerdem wird in Politik und Industrie eine noch weitergehende Lösung diskutiert: Die Werften könnten dem Vorbild der Luft- und Raumfahrt nacheifern. Hier ist mit der deutsch- französisch-spanischen EADS ein wettbewerbsfähiger Konzern entstanden, Ähnliches sei auch für die Marine denkbar, heißt es in gut unterrichteten Werftenkreisen. Mit HDW kämen dann die französische Werft Direction des Constructions Navales (DCN) sowie Blohm & Voss und die Thyssen Nordseewerke ins Boot.

Um vor allem außereuropäischen Übernahmen einen möglichen Riegel vorschieben zu können, plant die Bundesregierung, Beteiligungen über 25 % an deutschen Rüstungsfirmen unter einen Genehmigungsvorbehalt zu stellen. Ausgangspunkt der Pläne war der HDW-Verkauf. Der Vorstoß des Wirtschaftsministeriums, den Verteidigungsministerium und Kanzleramt billigen, ist aber nicht unumstritten. Während der SPD-Rüstungsexperte Hans-Peter Bartels dies für sinnvoll hält, ist der verteidigungspolitische Sprecher der Union, Christian Schmidt (CSU), wie die Industrie selbst „sehr skeptisch“. Viel sinnvoller sei es, die Exportrichtlinien europäisch zu vereinheitlichen und „an die liberalen Regeln Frankreichs und Großbritanniens anzupassen“, sagte er. Auch die Liberalen zögern: „Im Grundsatz ist dies sinnvoll. Aber man muss aufpassen, dass die restriktiven Regeln unterliegende deutsche Rüstungsindustrie nicht noch unattraktiver als Partner wird“, warnt der FDP-Rüstungsexperte Jürgen Koppelin.

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