Exportrückgang und Asiatische Konkurrenz belasten
Schuhindustrie verliert an Boden

Die deutsche Schuhindustrie erwartet auf Grund der anhaltenden Schwäche beim Export für das Jahr 2003 Umsatzrückgänge. Auch der Schuhfachhandel musste im ersten Halbjahr insgesamt einen Umsatzrückgang hinnehmen.

HBDÜSSELDORF. Die deutsche Schuhindustrie hat im Wettlauf mit ausländischen Billigproduzenten in diesem Jahr deutlich an Boden verloren. Der Branchenumsatz fiel im ersten Halbjahr 2003 mit 1,5 Mrd. € um 7,4 % kleiner aus, teilte der Hauptverband der Deutschen Schuhindustrie am Donnerstag in Düsseldorf zur weltweit größten Schuhmesse GDS vom 18. bis 21. September mit. Der deutsche Verbraucher greife zunehmend zu niedrigen und mittleren Preislagen. Die Rekordhitze habe zu dramatischen Einbrüchen bei geschlossenen Halbschuhen geführt. Der Schuhexport litt unter dem Euro-Höhenflug.

Die deutschen Hersteller reagierten auf die zunehmenden Importe aus Niedriglohnländern Asiens mit Arbeitsplatzabbau im Inland und Produktionsverlagerung ins Ausland. Die Schuhindustrie verhalte sich wie eine Karawane, schilderte Hauptgeschäftsführer Philipp Urban. Sie ziehe von einem Standort zum anderen. In Deutschland werden dieses Jahr nach Verbandsschätzung 1500 Arbeitsplätze abgebaut. Bis Ende Juni sank die Beschäftigtenzahl der Branche bereits um rund 1250 auf knapp 14 800. Die Zahl der Betriebe ging bis Ende Juni um 8,6 % auf 117 auch durch das Eingliedern von Tochterfirmen deutlich zurück.

Der Schuheinzelhandel erwartet 2003 bestenfalls einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Die Vorstellung, dass längere Ladenöffnungszeiten zu Mehrumsatz führten, hätten sich als „Luftschloss“ erwiesen. „Der Euro kann nur einmal ausgegeben werden“, sagte der Vize-Vorsitzende des Bundesverbandes des Deutschen Schuheinzelhandel, Andreas Oehme. Der Durchschnittspreis quer durch das Sortiment von Pantoletten bis zu Stiefeln liege bei knapp über 50 €. Deutsche Männer kauften sich pro Jahr im Schnitt nur etwa 1 Paar Schuhe. Dank der Frauen liege der Durchschnittsverbrauch je Bundesbürger und Jahr aber bei 3,78 Paaren.

Jedes zweite Schuhpaar in den deutschen Schaufenstern stammt nach Industrieangaben von deutschen Herstellern, die aber zunehmend im Ausland fertigten und dabei auch Produktionsstandorte in China und Vietnam prüften. Diese beiden Länder erzielten Exportzuwächse nach Deutschland von 20 beziehungsweise 12 %. Im ersten Halbjahr stieg der deutsche Schuhimport um rund 15 % auf knapp 205 Mill. Paare. Ein Importpaar koste im Schnitt knapp 10 €.

Die Schuhausfuhren sanken um 2,7 % auf 38,4 Mill. Paar. Da die Exportaufträge von Mai bis Juli um ein Zehntel stiegen, sei der Exportrückstand bis Jahresende aufholbar. „Der deutsche Schuh genießt nicht nur in Europa, sondern auch außerhalb einen guten Ruf“, sagte Verbandschef Dieter Rührschneck. Qualität und Design „Made in Germany“ seien weiterhin gefragt. USA, Schweiz und Russland seien wichtige Absatzmärkte. In arabischen Länder wolle man Fuß fassen.

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