Externe Arznei-Entwickler
Biotech in hoher Dosis

Weil aus den eigenen Labors kaum noch Nachschub an Medikamenten kommt, ändern viele Pharmakonzerne die Strategie bei der Entwicklung neuer Produkte: Sie verordnen sich noch mehr Allianzen mit Biotechfirmen – und sie kaufen von externen Entwicklern mittlerweile auch solche Mittel, die noch in der sehr frühen Forschungsphase sind.

FRANKFURT. Dieser Trend zeichnet sich bereits seit ein paar Monaten ab: Der britische Pharmakonzern Astra-Zeneca zahlt bis zu eine Milliarde Dollar für die Rechte an einem neuen Herzmittel der US-Firma Atherogenics. Roche, Pfizer und Novartis stellten in den vergangenen Monaten jeweils mehr als eine halbe Milliarde Dollar bereit, um sich Zugang zu neuen Technologien und Wirkstoffen aus dem Biotechsektor zu sichern. Und die Leverkusener Bayer AG sagte Anfang des Jahres fast 400 Mill. Dollar für die Rechte an einem neuen Mittel gegen Blutgerinnsel zu.

„Vor allem bei interessanten Produkten werden die Preise weiter nach oben gehen“, schätzt Fonds-Managerin Nora Frey von Adamant Biomedical. Nach Daten der US-Bank Burrill & Co, die den Sektor besonders intensiv beobachtet, hat sich das finanzielle Volumen von Pharma-Biotech-Allianzen 2005 um gut zwei Drittel auf den neuen Rekordwert von 17 Mrd. Dollar erhöht.

Selbst etliche US-Unternehmen, die in der Vergangenheit fast ausschließlich auf eigen Arznei-Entwicklungen setzten, gehen inzwischen auf Einkaufstour. Der angeschlagene Konzern Merck & Co etwa hofft über eine Neuausrichtung seiner Entwicklung die Erfolgsquote wieder auf Vordermann zu bringen. „Das bedeutet, dass wir mehr Partnerschaften suchen und den Zugang zu externen Innovations-Quellen verstärken müssen“, sagt der neue Firmenchef Richard Clark.

Kooperationen mit Biotechfirmen nutzen Pharmakonzerne schon länger, um die Schwäche in der eigenen Forschung und Entwicklung auszugleichen. Allerdings werden viel versprechende Wirkstoffe aus anderen Labors inzwischen immer früher eingekauft – und zu höheren Preisen.

Selbst für Substanzen in der klinischen Testphase I versprechen Pharmakonzerne mittlerweile erfolgsabhängige Zahlungen in hoher dreistelliger Millionenhöhe, obwohl der Wirkstoff in dieser frühen Phase von einer möglichen Vermarktung in der Regel noch sechs bis sieben Jahre entfernt ist. „Wir werden 2006 noch mehr solcher finanziell umfangreicher Kooperationen sehen, die sich auf frühe Forschungsphasen beziehen“, erwartet der amerikanische Banker und Biotech-Experte Steven Burrill.

Seite 1:

Biotech in hoher Dosis

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%