Extrakosten für Kredite: Banken machen Contis Weg frei

Extrakosten für Kredite
Banken machen Contis Weg frei

Der Autozulieferer Continental ist bei den Verhandlungen mit seinen Gläubigerbanken mit einem blauen Auge davongekommen. Die notwendige Zweidrittelmehrheit im Bankenkonsortium, bei dem Conti seit der VDO-Übernahme mit elf Milliarden Euro in der Kreide steht, hat nach Worten von Finanzchef Alan Hippe zugesagt, die Bedingungen anzupassen.

FRANKFURT. Insgesamt kämen deshalb auf Conti wegen der gesunkenen Zinsen 2009 unter dem Strich keine substanziell höheren Zinskosten zu als bisher.

Seit Anfang Januar hält das Familienunternehmen Schaeffler 49,9 Prozent an Conti. Der Autozulieferer hatte seinerseits im Jahr 2007 VDO für 11,4 Mrd. Euro von Siemens gekauft.

„Wir werden 135 bis 145 Basispunkte mehr zahlen müssen als bisher, wenn wir im Investment-Grade bleiben, und etwa 200 Basispunkte für den Fall, dass wir außerhalb des Investment-Grade geratet sind“, sagte Hippe dem Handelsblatt. Die Extrakosten für den Ex-Dax-Konzern aus Hannover bleiben damit auf moderatem Niveau. Weil sich durch die schlechte Autokonjunktur und die Finanzkrise die Rahmenbedingungen dramatisch verändert hatten, war Continental gezwungen gewesen, seine VDO-Kredite nachzuverhandeln.

Conti hätte 2009 seine Kreditbedingungen wahrscheinlich bereits im laufenden Quartal gebrochen. Da die Banken allerdings angesichts der Finanzkrise äußerst vorsichtig geworden sind, erhalten die Unternehmen in der Regel nur noch für sie deutlich schlechtere Kreditkonditionen. Die positive Nachricht von der Kreditverlängerung wurde am Kapitalmarkt gestern aber durch Gedankenspiele Contis über eine milliardenschwere Kapitalerhöhung an den Rand gedrängt. „Das sind noch erste Erwägungen“, sagte Hippe dem Handelsblatt. Doch die Börse reagierte darauf im engen Markt für Conti-Aktien geschockt: Die Titel fielen zeitweise um 20 Prozent auf unter 20 Euro.

Insider vermuten die Banken als treibende Kraft hinter Contis Bestreben, frisches Kapital einzuwerben. Durch eine drohende Abschreibung auf VDO in Höhe von einer Mrd. Euro könnte der Verschuldungsgrad von Conti nach eigenen Angaben auf rund 160 Prozent steigen. Ein Sprecher betonte, das Unternehmen habe keine Finanzierungsprobleme. Conti sieht die erzielte Einigung mit den Banken über neue Kreditkonditionen als Beleg der eigenen Solidität.

Conti hatte sich bereits auf der vergangenen Hauptversammlung eine mögliche Kapitalerhöhung um 58,6 Millionen mit Bezugsrecht ausgestattete Aktien und damit um aktuell rund 35 Prozent genehmigen lassen.

Die mit mehr als zehn Mrd. Euro aus dem Conti-Deal verschuldete Schaeffler-Gruppe selbst dürfte sich kaum an einer Kapitalerhöhung beteiligen. Um seinen Anteil von 49,9 Prozent an Conti nicht zu verwässern, könnte das Unternehmen auf die bei den Bankhäusern Metzler und Sal. Oppenheim geparkten Conti-Anteile zurückgreifen, hieß es. Schaeffler hatte in einer Investorenvereinbarung zugesagt, bis 2012 keine Mehrheit an Conti zu übernehmen, und reichte deshalb diese Woche die übrigen angedienten rund 40 Prozent der Conti-Papiere aus dem Übernahmeangebot an die beiden Bankhäuser weiter.

Der weitere Verfall der Conti-Aktie erhöht auch den finanziellen Druck auf die Franken. Sie hatten im Rahmen des Übernahmeangebots die Aktien für 75 Euro pro Stück gekauft und dafür mehr als zehn Mrd. Euro Kredit aufgenommen.

Den Banken sei es in den Verhandlungen darum gegangen, dass sie künftig nicht auch das Finanzrisiko des neuen Conti-Großaktionärs Schaeffler tragen müssten, sagte Hippe. „Deshalb sind Teile der mit Schaeffler abgeschlossenen Investorenvereinbarung in die Bedingungen eingebaut worden“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Kreditverträge verböten Conti hingegen nicht, eine Dividende zu zahlen. „Allerdings ist grundsätzlich nur Raum für eine sehr kleine Dividende vorgesehen“, sagte Hippe. Conti werde möglicherweise für 2008 einen Bilanzverlust ausweisen. Die Kreditgeber drängten dennoch nicht auf einen raschen Verkauf der Reifensparte, um die Schulden zu senken, betonte Hippe.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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