Fabriken in Hamburg und Stade werden geschlossen
Nicht mal der Kanzler kann Alu-Werkern helfen

Das Aus für die Aluminiumwerke Hamburg-Finkenwerder und Stade scheint unabwendbar. Der Beteiber Norsk Hydro ließ Bundeskanzler Gerhard Schröder und zwei Ministerpräsidenten abblitzen als diese sich um eine Rettung bemühten.

HB BERLIN. Der Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust und der niedersächsische Regierungschef Christian Wulff sagten am Freitag in Berlin nach einem Krisentreffen im Bundeskanzleramt, der norwegische Konzern Norsk Hydro habe es strikt abgelehnt, auf Kompromisslinie zu gehen und noch mehr Zeit für die Lösung des Problems einzuräumen. Die Motive für diese Haltung habe Norsk-Vorstandschef Eivind Reiten nicht genannt, sagte von Beust. Dieser erklärte nach dem Gespräch lapidar: „Das Fazit ist, wir werden die Schließung von Hamburg und Stade weiter betreiben.“

In den beiden Aluminium-Hütten arbeiten jeweils 400 Menschen. Die drei Gesellschafter Norsk Hydro, Alcoa (USA) und Amag (Österreich) begründeten das Aus mit den hohen Strompreisen.

An dem Krisentreffen hatte auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers teilgenommen. In Neuss steht das größte Aluminiumwerk von Norsk-Hydro in Deutschland. Zwischenzeitlich hatte es auch hier Spekulationen über eine Schließung gegeben. Rüttgers sagte nach dem Gespräch: „Ich bin froh, dass der Standort Neuss auch nach Darstellung des Unternehmens gesichert werden soll.“ Über „angemessene“ Strompreise für das Werk wolle man noch in diesem Jahr sprechen.

Norsk Hydro hatte als Verhandlungsführer der Gesellschafter ein Kaufangebot des Stahlproduzenten Georgsmarienhütte für die Hamburger Aluminiumhütte abgelehnt. In der Branche hieß es, Norsk Hydro habe nicht ernsthaft verkaufen wollen. Ein Erwerber hätte möglicherweise den Nachweis erbringen können, dass der Standort doch rentabel ist. Die Norweger bauen derzeit Kapazitäten im Wüstenstaat Katar auf. Ab 2009 wollen sie dort Aluminium produzieren – wegen der niedrigen Energiepreise.

Da die Energiekosten in der Aluminiumindustrie etwa 40 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, treffen die hohen Strompreise die Branche besonders stark. Allerdings ist es manchen Aluminiumhütten gelungen, mit ihren Stromlieferanten so günstige Konditionen auszuhandeln, dass sich für sie die Produktion in Deutschland immer noch lohnt. Zuletzt hatten die Essener Alugruppe Trimet und der Metallkonzern Corus gemeldet, sie hätten für ihre Hütten neue, günstigere Verträge mit den Energieversorgern RWE und Eon geschlossen. Als Problem werden auch die den Firmen zugewiesenen Emissionsrechte für den CO2-Ausstoß angesehen.

In der Branche werden zwei Modelle diskutiert, die energieintensiven Branchen helfen könnten, ihre Stromkosten zu senken – wenn die Energieversorger mitspielen. So besteht die Möglichkeit, den Strompreis an den Weltmarktpreis für das Produkt zu koppeln. Für Aluminiumhütten könnte das heißen: Die Energieversorger erhöhen den Strompreis, wenn die Aluminium-Weltmarktpreise steigen. Sinkt der Weltmarktpreis, fällt auch die Stromrechnung niedriger aus. Variante zwei: Der energieintensive Betrieb kauft „ein ideelles Stück“ eines Kraftwerks. Er sichert sich über eine Kapitalbeteiligung langfristig niedrige Energiepreise. An dieser Lösung für das Problem wird derzeit in Frankreich gearbeitet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%