Fabriken kommen an ihre Grenzen
Nach zehn Jahren Krise boomt Brasiliens Automarkt

Die große Krise ist überstanden, jetzt hat die Spezialisierung Brasiliens auf kleine kompakte Autos der Branche einen Boom beschert. Die Autokonzerne bekommen schon Kapazitätsprobleme. Doch die Konkurrent schläft nicht: Asiatische Hersteller sondieren bereits den Markt.

CAMACARI. Wenn Besucher ins Ford-Werk im nordostbrasilianischen Camaçari kommen, dann werden die Ingenieure des Autobauers vorher ermahnt, keine Konstruktionspläne herumliegen zu lassen. Auch Simulationen neuer Modelle sollen sie von ihren Bildschirmen verbannen.

Die Angst, dass die Ideen der 900 Ingenieure in die Hände der Konkurrenz geraten könnten, sitzt tief. Nicht ohne Grund: Im Unterschied zum Mutterland USA ist Ford mit seinen Modellen in Brasilien hoch erfolgreich. Ford Brasilien verzeichnet seit drei Jahren steigende Profite. 550 Mill. Dollar waren es im vergangenen Jahr in ganz Südamerika, rund zwei Drittel davon allein in Brasilien.

Ford betreibt hier seine modernste Fabrik weltweit, die Zulieferer arbeiten in Modulen direkt am Band mit. Die Fabrik produziert im Drei-Schichten-Betrieb sechs Tage die Woche – und kommt dennoch der Nachfrage nicht hinterher.

Der wichtigste Grund für den überraschenden Geschäftserfolg Fords in Brasilien ist jedoch nicht die schlanke Produktion. Viel wichtiger: Die Ingenieure entwickeln fern vom Mutterhaus neue Modelle. Zum Beispiel den „Eco-Sport“, einen preisgünstigen Mini-Jeep auf Fiesta-Basis. Der Flitzer ist nicht nur in Brasilien ein Renner, 40 Prozent der Produktion exportiert Ford in die Nachbarstaaten. ZurZeit tüfteln die Entwickler in Camaçari an einem neuen Kompaktmodell für ganz Lateinamerika. „Die Zeiten sind vorbei, als Modelle für Emerging Markets in den Stammhäusern entwickelt wurden“, sagt Édson Molina, Logistik-Geschäftsführer von Ford in Südamerika, „die entwickeln wir jetzt vor Ort.“

Inzwischen hat auch Detroit die Skepsis gegenüber der eigensinnigen Tochter aufgegeben – und investiert in Brasilien über vier Jahre verteilt rund eine Mrd. Dollar. Auch andere Autobauer haben ihre Forschung und Entwicklung für die Kompaktklasse nach Brasilien verlegt. Volkswagen hat dort neben den erfolgreichen LKW-Modellen für die südliche Hemisphäre den Kleinwagen Fox konzipiert. General Motors will am Amazonas sein weltweites Entwicklungszentrum für kleine Pickups und sportliche Jeeps aufbauen. Vize-Präsident Bob Lutz hat seinen Managern in Brasilien übermittelt, „dass sie so viele Ingenieure einstellen dürfen, wie sie bekommen können.“

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