Facebook-Investor
Peter Thiel macht sich sprungbereit

Eine Umwandlungsaktion des Silicon-Valley-Investors Peter Thiel sorgt für Überraschung unter Experten: Der Mann mit dem richtigen Riecher für Ein- und Ausstiege gibt Kontrolle ab, um seine Aktien frei handeln zu können.
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San FranciscoWird er verkaufen? Peter Thiel, legendärer Silicon-Valley-Investor mit deutschen Wurzeln, macht sich bereit. Der Facebook-Investor der ersten Stunde, der bereits 16 Millionen Aktien im Börsengang verkauft hat, hat weitere neun Millionen Stück seiner Class B-Aktien in Class A-Aktien umwandeln lassen. Das meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Dokumenten für die US-Börsenaufsicht.

Während Class B-Aktien mehr Stimmrechte verleihen, dafür aber Beschränkungen unterliegen, sind Class-A-Aktien frei an der Börse handelbar. Die Änderung im Aktionärsstatus, mit der Thiel gleichzeitig Kontrollrechte und Einfluss abgibt, kommt nur wenige Tage vor dem Auslaufen der ersten Haltefrist für Aktien von Mitarbeitern und Großaktionären. Gut 270 Millionen zusätzliche Aktien könnten ab 16. August mittelfristig auf den Markt drängen und den ohnehin schon angeschlagenen Kurs weiter unter Druck setzen.

Obwohl die Umwandlung nicht bedeuten muss, dass Thiel direkt verkaufen will, zeigen sich Experten schon ein wenig überrascht. „Das ist sicher nicht gerade als Vertrauensbeweis zu werten, wenn jemand, der so viel weiß wie er, die Reste seines Aktienbesitzes in einer Position bringt, aus der heraus er sie schnell verkaufen kann“, zitiert Bloomberg Erik Gordon, Professor an der Ross School of Business an der Universität von Michigan.

Sowohl Sprecher von Thiel als auch Facebook wollten die Transaktion nicht kommentieren. Aber interessant: Thiel hält insgesamt 27 Millionen Aktien, von denen ohnehin die Mehrheit schon in der frei handelbaren Class A war.

Thiel, im Hauptberuf Hedge-Fonds-Manager, hatte bereits als Mitbegründer des Zahlungsdienstes PayPal ein Vermögen verdient, als dieser 2002 an den Onlinedienst eBay verkauft wurde. Er gilt als der erste Investor außerhalb des Gründerkreises, der Kapital in Facebook investiert hat.

Einen zehnprozentigen Anteil soll er 2004 für rund 500000 Dollar erworben haben. Noch heute sitzt der gebürtige Frankfurter mit aktuellem Wohnsitz San Francisco im Aufsichtsgremium des Social Networks. Er gilt als begnadeter Venture-Capital-Anleger mit dem richtigen Riecher, wann man ein- und wann man aussteigen sollte. Neben Facebook hat Thiel in erfolgreiche Neugründungen wie LinkedIn und Yammer investiert.

Zum Börsenschluss am Dienstag hatte der Facebook-Kurs 5,7 Prozent auf 20,38 Dollar verloren.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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