Fachtagung
Warum das Wasserstoffauto das Klima nicht rettet

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Nach dreißigjähriger Forschung am Wasserstoffauto ist BMW Ende 2009 ausgestiegen, es wurde dem Autobauern zu teuer. "Nur wenn der wasserstoffbetriebene Motor kostengünstig dem Dieselmotor vergleichbar ist, lohnt sich der finanzielle Aufwand", so Bratzel. Doch von dem Ziel sei man noch entfernt.

Denn eine wichtige Hürde bei der Markteinführung ist das teure Platin: In jeder Brennstoffzelle stecken gut 60 Gramm des teuren Edelmetalls. Das entspricht circa 3000 Euro pro Zelle. "Die größte Herausforderung ist es, ein Substitut für das teure Platin zu finden", so Experte Bratzel. Daimler forscht gerade daran, den Platinanteil in den Zellen zu senken. Das ist auch nötig, denn würden alle Autos und Lkw mit Brennstoffzellen heutiger Bauart ausgerüstet, wären sämtliche Platinressourcen, die noch im Boden schlummern, mit einem Mal aufgebraucht.

Nicht nur Autoexperten, auch Umweltverbände sehen die Einführung des Wasserstoffautos skeptisch. "Es wird so getan, als lösten Wasserstoffautos das Klimaproblem. Das ist aber nicht so", sagt Wolfgang Lohbeck von Greenpeace. Vielmehr sei der Wasserstoff "ein Placebo für die Umwelt", da die Energie um den Wasserstoff zu erzeugen unverhältnismäßig groß sei.

Zumeist wird Wasserstoff aus Erdgas gewonnen: Bei hoher Temperatur und hohem Druck wird in einem speziellen Verfahren Wasserstoff, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid aufgespalten. Dem Klima sei so nicht geholfen, so Lohbeck. Denn das CO2, das bei der Verbrennung des Wasserstoffs eingespart werde, entstehe dabei bei der Herstellung des Wasserstoffs.

Kommentare zu " Fachtagung: Warum das Wasserstoffauto das Klima nicht rettet"

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  • Um hier noch ein weiteres Argument anzuführen neben den teils sehr guten meiner Vorredner:
    Hat sich vor lauter Rumhacken auf der ach so komplizierten H2-Infrastruktur schonmal jemand Gedanken über die Strominfrastruktur gemacht?!
    Natürlich kann ich mein Auto schneller aufladen als 4 Stunden, wenn ich die entsprechende Stromstärke habe (und 380V beim Starkstrom). Wo aber bekomme ich die her, wenn im Stadtgebiet ein Hausblock mit 10 Wohnungen nur 11mal Starkstrom hat (10x Herd, 1x Keller)? Da müssen überall die Straßen aufgerissen werden, die Umspannwerke anders umwandeln, und das alles soll weniger kosten als die Umrüstung von ein paar Tankstellen? Einfach nur lächerlich!
    Außerdem stelle ich mir gerade das Gedränge vor, wenn man in z. B. Berlin, wo über 90% der Fahrzeuge keinen festen Stellplatz haben (Studie Toyota) die Leute sich nach Feierabend um die Stationen drängen, weil jeder sein Auto aufladen muss um morgen wieder zur Arbeit zu kommen. Und natürlich wird nach z.B. exakt 2h ein Kunde sein Fahrzeug wieder abholen und nicht erst nach 2,5 oder 3h.
    Die völlig fehlgeleitete Marketingstrategie beim Batterieauto, deshalb nur auf die Minderheit von Eigenheimbesitzern mit kurzen Arbeitswegen zu setzen zeigt einmal mehr wie "massentauglich" das reine E-Auto wirklich ist.

    Bitte das nächste Mal besser recherchieren, wenn der Artikel nicht ohnehin das Werk von Lobbyarbeit ist...

  • Wow, ich finds echt ein wenig peinlich wie hier auf der Brennstoffzelle herumgehackt wird. Es werden beinahe nur Nachteile aufgelistet! Von den immensen Nachteilen bei "normalen" Elektroautos spricht aber keiner... Was ist dort z.B. mit den Batterien? Ist deren Herstellung regelmäßige Entsorgung etwa umweltfreundlich und günstig? Ganz zu schweigen von der miserablen Reichweite der Fahrzeuge sowie der viel zu langen Ladezeiten. Ich würde mich mit z.B. nicht trauen, täglich die 65km hin- und zurück zur Arbeit mit einem Batteriefahrzeug zu fahrenm, vor allem momentan im Winter ist das eigentlich undenkbar. Erstens weil die Batterien sowieso unter der Kälte leiden, zweitens weil noch zusätzlich eine Innenraumheizung betrieben werden muss, was die Reichweite zusätzlich senkt (siehe Wintertests der Elektro-Smarts...)

    Ach und noch etwas, wie ist denn eigentlich der Wirkungsgrad der Batterieladegeräte? Beim Umwandeln der elektrischen Energie in chemische geht doch ebenfalls Energie verloren, davon spricht auch niemand.

    Also bleiben sie doch bitte etwas neutraler bei solchen Artikeln und versuchen sie nicht sofort alles schlecht zu reden.

  • Der Artikel käut leider nur bekannte, nicht fundierte Gegenargumente zum Wasserstoff wieder. Solange es technisch nicht möglich ist, mit einem batteriegetriebenen Fahrzeug größere Reichweiten als 150 km zu erreichen, gibt es keine Alternative zur brennstoffzelle, wenn man emissionsfrei fahren will. Wasserstoff lässt sich heute effizienter und und mit z.b. Windkraft umweltfreundlich herstellen. bis die batterie mehr Reichweite bringt, wird es noch eine längere Zeit dauern. Also bitte nicht immer gute technische Ansätze zerreden. Dass bMW aus dem Wasserstoff ausgestiegen ist, stimmt so auch nicht. Es wird nach meiner information dort weiter geforscht. Der Verbrennungsmotor mit H2 wurde gestoppt.

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