Fahrzeug-Sicherheit
General Motors macht Autosicherheit zur Vorstandssache

Ein verschleppter Rückruf, der womöglich Menschenleben gekostet hat, wird zur Gefahr für General Motors. Konzernchefin Mary Barra will dafür sorgen, dass technische Mängel zuverlässiger erkannt und behoben werden.
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DetroitNach dem Rückrufdebakel bei General Motors soll sich ein Topmanager künftig gezielt um die Fahrzeug-Sicherheit kümmern. Konzernchefin Mary Barra hat dazu eigens eine neue Führungsposition geschaffen. Es gebe in Sicherheitsfragen damit nun einen direkten Draht in die Vorstandsetage und klarere Verantwortlichkeiten, erklärte Barra am Dienstag in Detroit.

Den Job übernimmt der 58-jährige Firmenveteran Jeff Boyer. Der gelernte Elektroingenieur ist seit Studentenzeiten im Unternehmen und hat zahlreiche Stationen durchlaufen. „Jeff hat die Befugnisse, etwaige Probleme aus dem Weg zu räumen“, führte Barra aus. „Wenn er weitere Mittel braucht, bekommt er sie.“

Barra räumte bei einer Pressekonferenz am Dienstag ein, dass der Rückruf zu spät gestartet worden sei. Sie selbst habe jedoch erst Ende Januar und damit zwei Wochen nach ihrer Amtsübernahme von den Problemen erfahren. GM-Ingenieure hatten bereits vor 13 Jahren erstmals fehlerhafte Zündungen registriert. Seitdem sind dadurch bei Unfällen mindestens zwölf Menschen gestorben – Verbraucherschützer gehen sogar von mehr als 300 Opfern aus.

Bei 1,6 Millionen Wagen droht der Zündschlüssel während der Fahrt in die „Aus“-Position zurückzuspringen. Das schaltet auch Servolenkung, Bremskraftverstärker und Airbags ab.

Die problematischen Autos stammen aus den Jahren 2003 bis 2007 und wurde vor allem in den USA verkauft. Der Rückruf begann aber erst im Februar dieses Jahres. Auch 1200 in Deutschland verkaufte Roadster Opel GT sind von dem Mangel betroffen.

Barra erklärte, dass bislang kein Manager wegen des Skandals bestraft oder gefeuert worden sei. „Bis zum Abschluss der Untersuchung weiß ich nicht, wer was wann wusste.“ Als die beiden wichtigsten Ziele rief Barra aus, „jedes einzelne dieser Fahrzeuge zu reparieren“ und „dafür zu sorgen, dass dieses Problem nie wieder vorkommt“. Sie wich gleichzeitig Fragen aus, ob GM einen Fonds für die Opfer bereitstellen werde. Bislang habe die Opel-Mutter auch noch keinen Kontakt zu den Familien der Opfer aufgenommen.

Barra steht seit Januar an der Spitze des Konzerns. Sie hatte nach dem Hochkochen der Verschleppungsvorwürfe schnelle Aufklärung und Verbesserungen versprochen. Erst am Montag stieß sie drei weitere Rückrufe an über insgesamt mehr als 1,5 Millionen Wagen alleine in den USA. So muss die Elektrik bei bestimmten SUV-Modellen repariert werden, da sonst die Gefahr besteht, dass Airbags und Gurtstraffer ausfallen.

Wegen der Zündschlösser ermitteln inzwischen US-Staatsanwälte und es wird Anhörungen vor dem Kongress in Washington geben. „In der Tat ist etwas schiefgegangen in unseren Abläufen und schlimme Dinge sind passiert“, räumte Barra in einem am Montag veröffentlichten Video auf der Firmen-Website ein. Jetzt müsse das Unternehmen dafür sorgen, „dass so etwas nicht wieder passiert“.

Barra versucht durch ihr Handeln, einen Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Wie sehr Rückrufe die Kunden verunsichern können, hatte der Fall Toyota vor vier Jahren gezeigt. Damals standen klemmende Gaspedale und rutschende Fußmatten im Verdacht, für zahlreiche Unfälle mit Todesopfern verantwortlich zu sein. Auf dem wichtigen US-Markt brachen die Verkäufe ein. Später stellte sich allerdings heraus, dass viele Unfälle durch Fahrfehler zustande gekommen waren.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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