Fairchild-Käufer verspricht weitere Deals in diesem Jahr
D'Long auf Einkaufstour in Deutschland

Die chinesische D’Long-Gruppe will in Deutschland weitere Firmen übernehmen. „Wir haben einige Projekte in der Pipeline, die wir in den nächsten Monaten umsetzen wollen“, sagte Europachef Jonathan Chu im Gespräch mit dem Handelsblatt. D’Long hat erst vor zwei Wochen das Regionaljet-Programm 728 des insolventen bayerischen Flugzeugbauers Fairchild Dornier gekauft.

MÜNCHEN. D’Long konzentriere sich auf Unternehmen, die dringend einen Partner brauchen. Chu: „Wir suchen gezielt Firmen, die unter starkem Kostendruck stehen und denen der Zugang zu Märkten wie China fehlt.“ Im Klartext: D’Long gibt angeschlagenen Unternehmen frisches Kapital und sorgt durch Kontakte ins Niedriglohnland China für günstige Fertigungsmöglichkeiten. Bei den deutschen Firmen blieben dann lediglich Forschung, Design, Marketing und sehr technologieintensive Prozesse.

Als Übernahmekandidat für D’Long gilt deshalb auch die insolvente Grundig AG. Bereits vergangenes Jahr habe sich D’Long mit dem Unterhaltungsgerätebauer befasst, sagte Chu – allerdings ohne zuzugreifen. Nach Beginn des Insolvenzverfahrens Anfang vergangener Woche nähme D’Long die Traditionsfirma nun erneut unter die Lupe. Grundig wäre nicht der erste deutsche TV-Hersteller, der von Chinesen übernommen würde. Vergangenes Jahr hat der chinesische TCL-Konzern die insolvente Schneider Electronics gekauft.

D’Long ist nach eigenen Angaben eines der größten privaten Unternehmen in China und gilt als sehr verschlossen gegenüber ausländischen Medien. Die Firma wurde 1986 als Finanzdienstleister gegründet, ist heute aber in Branchen wie Lebensmittel, Baustoffe und Maschinenbau tätig. Darüber hinaus ist D’Long bei größeren Lastwagen Marktführer in China. Und D’Long gehört ein alter russischer Flugzeugträger, den das Unternehmen in einen Freizeitpark umgebaut hat.

Kritik der IG Metall

Auch in Deutschland will sich D’Long nicht auf einzelne Branchen festlegen. Für Europachef Chu ist klar, dass der Konzern in allen Firmen, in die er investiert, das Sagen haben will. Bislang finanziert das Unternehmen seine Engagements mit angelsächsischen Banken wie Goldman Sachs oder J. P. Morgan. Zudem sei GE Capital ein regelmäßiger Partner der Chinesen, sagte Chu.

Das erste Engagement von D’Long in Deutschland ist die Hirschfelder Leinen GmbH. Dort werden die Chinesen zum Jahresende allerdings die Produktion schließen, sagte Chu. Die IG Metall kritisiert deshalb, dass es den Chinesen bei der Übernahme nur um die Maschinen und den Namen ging, nicht aber um das Unternehmen selbst.

Bei Fairchild Dornier ist D’Long derzeit dabei, die insolvente Firma wieder auf die Füße zu stellen. Chu: „Wir arbeiten intensiv am Businessplan. Darüber hinaus suchen wir das neue Management aus und bauen die Organisation auf.“ Der Manager verspricht, bald wieder mehrere hundert Mitarbeiter einzustellen.

Weil die Entwicklung des 70-sitzigen Flugzeugs mit mehr als einer Mrd. Euro völlig aus dem Ruder gelaufen war, musste die Firma aus Oberpfaffenhofen bei München vor über einem Jahr Insolvenzantrag stellen. Durch den Einstieg von D’Long ist die drohende Zerschlagung des Programms vom Tisch.

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