
PEKING. Die aufstrebenden Länder Asiens können fast alles. Auf Technik und Dienstleistungen aus den USA, der EU oder Japan sind sie immer weniger angewiesen - über die Lernphase des Kopierens haben sie es selbst zu Meistern gebracht.
Besonders auffällig ist der rasante Aufstieg des chinesischen Werkzeugmaschinenbaus. "Die Chinesen holen schnell auf", sagt Rüdiger Kapitza, Chef des deutschen Anbieters Gildemeister. "Sie holen auch schneller auf, als ich vor drei, vier Jahren noch gedacht habe."
Kapitza ist überzeugt, dass China ab diesem Jahr die Nummer eins im Werkzeugmaschinenbau sein wird. Die chinesische Maschinenbaubranche insgesamt setzte 2009 schon fast doppelt so viel um wie die deutsche. "China wird die Rolle des größten Produktionsstandorts übernehmen und für die nächsten 20 Jahre behalten", prognostiziert Kapitza.
Deutsche verlieren den Anschluss
Das zwingt die einstigen Maschinen-Weltmarktführer aus Deutschland zu einem Spagat: Sie müssen selbst chinesischer werden, ohne sich dabei aufzugeben. "Wenn die deutschen Maschinenbauer den Anschluss in wachstumsstarken Exportmärkten nicht verlieren wollen, müssen sie sich jetzt Produktionskapazitäten in Asien sichern", sagt Unternehmensberater Roman Zeller von der Firma Alix Partners.
Einer Studie Zellers zufolge hat sich der technische Stand der chinesischen Anbieter rasant entwickelt: Die Produktivität pro Mitarbeiter wird sich in den kommenden Jahren bereits der Hälfte des deutschen Wertes von 180 000 Euro Jahresumsatz pro Mitarbeiter annähern, was die Wettbewerbsfähigkeit weiter erhöht.
Das plötzliche Auftauchen der Chinesen ist laut Gildemeister-Chef Kapitza kein Zufall: "Dort wurde die Bedeutung dieser Schlüsselbranche erkannt." Wer gute Waren herstellen will, braucht gute Maschinen und muss die Technik selbst besitzen.
Die Deutschen zehren von einem Forschungsvorsprung
Große Spieler wie Gildemeister haben die Zeichen der Zeit verstanden und versuchen zu reagieren. "In China sind wir auch Chinesen", sagt Kapitza. Von einem eigenen Werk aus beliefert Gildemeister den Markt mit Maschinen der Mittelklasse. Die absolute Spitzenklasse darf das Unternehmen wegen eines EU-Exportverbots für High-Tech-Produkte nicht dort herstellen und nur mit Genehmigung ausführen. Trotzdem liegt der Asienanteil am Gildemeister-Umsatz bereits bei einem Viertel.
Kapitza strebt für China einen Marktanteil von zehn Prozent an, liegt derzeit aber noch sehr deutlich darunter. Doch das Wachstum ist beneidenswert: Von 150 Maschinen im Jahr 2004 stieg die Produktion auf aktuell 1 500 und soll bald 2 000 Stück erreichen.
Den Deutschen kommt zugute, dass sie noch drei Dinge haben, die ihnen die Chinesen so schnell nicht wegnehmen können: einen Forschungsvorsprung, ein bewährtes internationales Vertriebsnetz und starke Markennamen. Den eigenen Riesenmarkt dominieren die Chinesen - aber ihr Export sieht noch recht dürftig aus und geht vor allem ins weniger anspruchsvolle Süd- und Südostasien. "Sie machen derzeit große Masse, aber High-Tech können sie nur vereinzelt", sagt Kapitza.
Ein "muss" ist eher selten richtig. Es kommt auf jedes Unternehmen einzeln an (Marke, Gegebenheiten, Menge, besonderheit, etc.). Auch neu ist die Entwicklung wirklich nicht. Der Maschinenbau folgt in einem gewissen Umfang den Gegebenheiten der ... Textilindustrie, der Unterhaltunmgselektronikindustrie, der weißen Ware industrie etc. Die Mechanismen sind ähnlich. Dort wo man nicht mehr selbst die Fachführerschaft im eigenen Herstellen erreicht, folgt ein mehr oder minder schneller Kompetenz- und Herstellungsverlust. Es gibt allerdings immer noch genügende Nischen, die so gross sind, trotz der starken Konkurrenz zu überleben.
ist man dagegen zu gross, muss man China sicher auch als Produktionsstandort mit einbeziehen, da der Markt auch als interner Markt zu wichtig ist. Gerade aus den beispielen früherer "großer Marken" kann man noch heute eine Menge lernen. Übermut ist daher fehl am Platze. Es bleibt auch leider so, dass die wirklichen Entscheidungsträger eigentlich nicht für Fehlentscheidungen haften oder sonst wie zur Verantwortung gezogen werden - den Knall hören leider vor allem jene Mitarbeiter, die weniger zur Entscheidung beitragen können.
Kommt zu einem totalen Kompetenzwegbrechen, brechen auch die Kunden weg. Zum Schluss sind Analogien wie in England im Verkauf von Touristenkleinkram zu beobachten. Alles ist mit Aufklebern "made in China" gelabelt. Diese werden dann mühsam einzeln abgeknibbelt, bevor die Ware im Geschäft zum Verkaufangeboten werden. Die Ware zeichnet schließlich englische Nationaldinge aus wie Flaggen o.a. Dinge mit nationalen bezügen aus. Hier stört ein Chinabezug und Aufkleber können abgeknibbelt werden. Verdient wird dann hier im Verkauf. Die eigentlichen Hersteller dieser Artikel auf englischem boden sind dagegen schon lange selbst Teil der englischen Geschichte als Produktionsstandort geworden. Also wird geknibbelt ... dort wo es emotional das Käuferherz etwas berühren würde.
> Sie müssen selbst chinesischer werden
Na dan fangen Sie mal damit an, Herr Gildemeister, und senken Sie die Preise.
Wie Sie selbst schrieben, gibt es keinerlei Grund, mehr als doppelt so teuer zu sein wie vergleichbare chinesische Produkte.
Legen Sie die Arroganz ab, zu glauben, Sie wären der Nabel der Welt.
Es sind nicht die Kosten ihrer Mitarbeiter, es ist stets Versagen des Managements, wenn Produkte zu teuer produziert werden.
Hans aus bayern schreibt:
Hallo Weltenbummlerin, ich war bereits 1996 in Japan
und Thailand und konnte die Entwicklung schon damals
absehen. Zuhause angekommen wurde ich dann mit meiner
aus der Reise gebildeten Meinung nur belächelt. ich
kann mich ihren Ausführungen 100%ig anschließen.
Viele Grüße
4 Kommentare
Alle Kommentare lesen