Fallen gelassen: Für Brillenhersteller Rodenstock wird es eng

Fallen gelassen
Für Brillenhersteller Rodenstock wird es eng

Die Übernahme durch den Investor Trilantic ist in letzter Minute geplatzt. Der Deal war schon fast in trockenen Tüchern, da scheiterte er an Details. Nun droht dem traditionsreichen Brillenhersteller im schlimmsten Fall sogar die Insolvenz.
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MÜNCHEN/FRANKFURT/DÜSSELDORF. Es war der vielleicht letzte rettende Strohhalm, an den sie sich beim Brillenkonzern Rodenstock geklammert haben. Doch nun ist die Übernahme durch den Investor Trilantic, der mit dem Luxuskonzern Richemont verbandelt ist, in letzter Minute überraschend geplatzt.

Der Traditionskonzern wird damit zum Spielball der Spekulanten. So sollen sich unter den Gläubigern auch Hedge-Fonds befinden, die eine Aufspaltung bevorzugen. „Da werden jetzt einige auf die Insolvenz warten“, hieß es im Umfeld der Verhandlungen. Allerdings: Die Mehrheit der Gläubiger hat signalisiert, die Kredite vorerst nicht fällig zu stellen. Daher wird weiterverhandelt.

Die Gespräche waren schon weit fortgeschritten. Trilantic, an dem Richemont-Chef Johann Rupert maßgeblich beteiligt ist, sollte 42 Mio. Euro in das Unternehmen stecken und so die Mehrheit übernehmen. Der bisherige Mehrheitseigentümer Bridgepoint sollte nochmal 28 Mio. Euro nachschießen und mit einem Minderheitsanteil engagiert bleiben. Mit dem Erlös sollte der erdrückende Schuldenberg von Rodenstock reduziert werden. Die Mehrheit der Banken hatte dem Deal schon zugestimmt, doch nun scheiterte die Übernahme an Details. Trilantic habe beschlossen, die Gespräche abzubrechen, hieß es in einer knappen Mitteilung.

Banken lassen Deal platzen

Hintergrund des Scheiterns sind nach Informationen des Handelsblatts späte Nachforderungen der Banken. In Branchenkreisen hieß es, das Steuerungskomitee, in dem unter anderem Royal Bank of Scotland, Société Générale und HSH Nordbank vertreten seien, habe die Bedingungen eines späteren Ausstiegs von Trilantic aus Rodenstock kontrollieren wollen.

Zudem gab es Streit über die geplante Zurückführung von 80 Mio. Euro Bankschulden. Hier verlangten die Banken die Bedienung zum Nominalwert – während am Markt derzeit ein Abschlag fällig ist. Schließlich wurden von den Instituten noch zusätzliche Gebühren gefordert. Trilantic und Bridgepoint äußerten sich zu Nachfragen nicht.

Die Entscheidung von Trilantic ist für Rodenstock-Chef Olaf Göttgens ein Desaster. Zwar soll die operative Kooperation mit den Richemont-Marken in den nächsten Jahren trotz der gescheiterten Übernahme weiter ausgebaut werden. Doch kurzfristig hilft das dem Unternehmen nicht. Rodenstock hat die Kreditvereinbarungen mit den Banken gebrochen, daher könnten die Institute ihre Kredite fällig stellen. Rodenstock war von einem Finanzinvestor zum nächsten weitergereicht worden und ächzt nun unter 300 Mio. Euro Schulden.

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