Falsch beraten
Märklin-Investor will Schadenersatz

Für die Unternehmensberatung Alix Partners war Märklin eine Goldgrube. Viele Millionen Euro rechneten die Sanierungsspezialisten beim Modelleisenbahnhersteller ab, und vermeldeten Ende 2007 eine mustergültige Restrukturierung. Gut ein Jahr später musste Märklin Insolvenz anmelden. Jetzt soll Alix Partners zur Verantwortung gezogen werden. Ein Novum in Deutschland.

GÖPPINGEN. Die Pleite des traditionsreichen Modellbahnherstellers Märklin hat ein juristisches Nachspiel. Kingsbridge Capital, der Finanzinvestor, der Märklin 2006 kaufte, fordert von der US-Unternehmensberatung Alix Partners 30 Mio. Euro Schadensersatz wegen Falschberatung. Damit verlangt Kingsbridge die komplette Summe, die der Käufer bei dem Investment verloren hat. Märklin ist seit Februar 2009 im Insolvenzverfahren.

Um seine Forderung durchzusetzen, hat Kingsbridge die Münchener Kanzlei Bub Gauweiler engagiert, die unter anderem Leo Kirch gegen die Deutsche Bank vertritt und viele Mittelständler berät. Wolf-Rüdiger Bub, der den Fall betreut, wollte sich auf Anfrage nicht zu Einzelheiten äußern. Auch ein Kingsbridge-Sprecher lehnte eine Auskunft ab.

Alix lässt sich von Stefan Rützel von der Kanzlei Gleiss Lutz vertreten. Die Unternehmensberatung bestätigte, dass ihr bereits ein Entwurf einer Schiedsklage von Kingsbridge vorliegt. „Alix Partners sieht keine Grundlage für eine Klage“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber dem Handelsblatt. „Wir stehen weiterhin voll hinter unserer gesamten bei Märklin geleisteten Arbeit.“

Novum in Deutschland

Der Fall bedeutet ein Novum in der Branche. Nach Auskunft des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater ist kein Fall bekannt, in dem eine Unternehmensberatung wegen Fehlleistung derart angegangen wurde. „Zwar gibt es wie in jeder Branche immer mal Streit um eine Rechnung“, sagt Geschäftsführer Christoph Weyrather. Doch niemand habe bisher versucht, einen Berater für den kompletten Ausfall eines Investments zu belangen – schon gar nicht mit einer achtstelligen Summe.

Der Fall Alix und Märklin könnte damit für die Zunft der Unternehmensberater ähnlich bedrohlich werden, wie es der Fall der Kanzlei Haarmann Hemmelrath für die Steuerberater war. 2004 verklagte die Neusser Werhahn-Gruppe ihre Kanzlei wegen angeblich fehlerhafter Beratung bei einer Firmentransaktion auf 480 Mio. Euro Schadensersatz. Haarmann Hemmelrath hatte dabei ein Steuersparkonstrukt entwickelt, das vom Finanzamt später nicht anerkannt wurde. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Obwohl das Finanzamt seine Entscheidung später revidierte, Haarmann Hemmelrath also juristisch obsiegte, zerbrach die Kanzlei und löste sich auf. Haarmann Hemmelrath und löste sich auf.

Experten beobachten den Fall Alix daher mit großem Interesse. Als weltweit bekanntes, auf Sanierungen spezialisiertes Beratungsunternehmen könnten die Amerikaner einen Abfluss von 30

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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