Familie will sich beraten
Kampf um die Macht bei Vossloh

Beim Verkehrstechnikkonzern Vossloh ist zwischen Aufsichtsratschef Kajo Neukirchen und Vorstandschef Burkhard Schuchmann ein offener Machtkampf entbrannt. Der Aufsichtsrat und die Gründerfamilie wollen in der kommenden Woche beraten.

HB DÜSSELDORF. Die Gründerfamilie Vossloh, die 30 % der Anteile des Konzerns hält, wolle Ende kommender Woche über die Lage sprechen, sagte der Sprecher der Familie im Aufsichtsrat, Peter Langenbach, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Am kommenden Freitag werde auch der Vossloh-Aufsichtsrat zusammentreten, sagten mehrere Mitglieder.

Neukirchen hatte Schuchmann in einem Gespräch mit der „Financial Times Deutschland“ vorgeworfen, dieser wolle mit der von ihm vorgeschlagenen Umwandlung Vosslohs in eine Europäische Aktiengesellschaft die Eigentümerfamilie und ihn selbst entmachten. Schuchmann kündigte eine rasche Klärung an.

Neukirchen sagte weiter, der 63-jährige Schuchmann schade dem Unternehmen dadurch, dass er keinen Nachfolger aufgebaut habe. Die neue Rechtsform ermögliche es ihm zudem, den Vorsitz im Vorstand und Aufsichtsrat in Personalunion zu übernehmen. „Aus den Plänen folgt, dass die Eigentümerfamilie und ich ausgebootet werden“. Die Gründerfamilie hat sich in dem Streit bislang nicht positioniert. In der Vergangenheit hatte sie lediglich erklärt: „Ziel der Familie ist die solide und kontinuierliche Weiterentwicklung der Vossloh AG als unabhängiges Unternehmen.“

Analysten kritisierten den öffentlichen Streit. Wenn sich beide über die Medien beharkten, bedeute das „nichts Gutes“, sagte ein Analyst, der namentlich nicht zitiert werden wollte.“

Wie am Vortag bekannt wurde, verkauften Schuchmann und Mitglieder seiner Familie für knapp 9,5 Mill. € Aktien des Konzerns. Schuchmann wollte sich damit offenbar freie Hand für die Auseinandersetzung schaffen. Er wolle „grundsätzliche Fragen zur weiteren Entwicklung des Unternehmens“ aus einer Position heraus klären, „in der niemand einen Interessenkonflikt aufgrund substanzieller eigener Vermögensinteressen unterstellen könnte“, ließ Schuchmann am Donnerstag mitteilen. Es gebe „Grund zu der Annahme, dass die Familiengesellschaft Vossloh, deren Mitglied Schuchmann auch weiterhin ist, in den kommenden Wochen die notwendigen Weichenstellungen vornehmen wird“.

Auch Vorstandsmitglied Milagros Caina-Lindemann trennte sich von Vossloh-Aktien, sie erlöste dabei rund 900 000 €.

In Kreisen des Aufsichtsrats wurde eingeräumt, dass es „Meinungsverschiedenheiten“ gebe. Mit Blick auf die Kritik Neukirchens, Schuchmann habe keinen Nachfolger aufgebaut, hieß es, der Aufsichtsrat selbst sei bei Personalfragen „mit im Boot“. Andererseits könne es aber auch nicht schaden, wenn ein Vorstandschef einen Kandidaten für seine Nachfolge präsentiere, sagte ein Aufsichtsratsmitglied Reuters. Das Kontrollgremium von Vossloh soll am Freitag in einer Woche zusammentreten, um über den Kauf der Bahnschwellen- Sparte von Pfleiderer zu beraten. Zwar stünden Personalfragen bislang nicht auf der Tagesordnung der Sitzung, doch sei es gut möglich, dass der Streit zum Thema bei der Sitzung werde. Schuchmanns Vertrag bei Vossloh läuft noch bis Ende 2006.

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