Familienbande
Spekulationen um Schwarz Pharma

Die Namen von zwei Familienunternehmen aus der Pharmabranche werden derzeit in Verbindung gebracht: Merck und Schwarz. Die Aktie des Monheimer Arzneimittelherstellers Schwarz Pharma ist in den vergangenen beiden Tagen auf Grund von Übernahmespekulationen kräftig gestiegen, am Donnerstag zeitweise um bis zu acht Prozent auf mehr als 81,50 Euro – ein Allzeithoch.

MONHEIM. Das Darmstädter Familienunternehmen Merck wird dabei – obwohl beide Parteien ausdrücklich zu den Gerüchten keine Stellungnahme abgeben – als Interessent genannt. Die Wirtschaft verfolgt jedenfalls mit Spannung, was Merck mit seinen 400 Mill. Euro außerordentlicher Gewinn aus dem Spekulationsgeschäft um die Schering-Aktien machen wird. Pharma-Experten meinen jedenfalls, dass die Produkte von Schwarz Pharma gut das Portfolio von Merck ergänzen würden.

Das Monheimer Unternehmen, an dem die Gründerfamilie Schwarz 61 Prozent hält, hat gerade mit einem guten Ausblick sein 60-jähriges Bestehen gefeiert. Weil es mit der Erfindung neuer Produkte zuletzt gut geklappt hat, interessieren sich nicht nur Analysten immer mehr für den rheinischen Pharmahersteller. Übernahmegerüchte machen seit geraumer Zeit die Runde. Erst kürzlich hat Schwarz Pharma mit dem US-Pharmariesen Pfizer ein interessantes Abkommen geschlossen: Ein lange schwelender Rechtsstreit endete mit einem weltweit gültigen Vertrag über die Rechte am Blasen-Wirkstoff Fesoterodin. Die Einigung mit Pfizer beschert den Rheinländern eine Zahlung von 100 Millionen Dollar. Ferner winken "Meilensteinzahlungen" von bis zu 110 Millionen Dollar sowie Lizenzzahlungen auf die Umsätze mit Fesoterodin und sogar mit Pfizer's Urologie-Produkt Detrol. Mit dem Pfizer-Vertriebsnetz erreicht Schwarz-Pharma zudem einen Markt, der aus eigener Kraft überhaupt nicht zu erschließen gewesen wäre.

Am vergangenen Montag hat Schwarz Pharma bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA nun eine erweiterte Zulassung des Parkinsonpflasters Neupro zur Behandlung von Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung beantragt. Die Zulassung wird für das dritte Quartal 2007 erwartet. Neupro, ein so genanntes transdermales Pflaster zur Behandlung der Parkinson Erkrankung, hat bereits im Februar dieses Jahres die Zulassung für das frühe Stadium der Erkrankung in den 25 Ländern der Europäischen Union erhalten. Es ist in den ersten Märkten, in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Österreich, bereits eingeführt. Weitere Markteinführungen werden folgen.

Die Parkinson’sche Erkrankung ist eine Funktionsstörung des zentralen Nervensystems. Die etwa vier Millionen Patienten weltweit leiden an einem Mangel an Dopamin, einem Botenstoff im zentralen Nervensystem, der für die Koordinierung der Bewegungen zuständig ist. Als Folge dieses Mangels können die Betroffenen ihre Bewegungsabläufe nicht mehr zuverlässig kontrollieren.

Schwarz Pharma mit Sitz im rheinischen Monheim beschäftigt weltweit etwa 4300 Mitarbeiter und ist neben seinem Hoffnungsträger Neupro (erwarteter Umsatz: 350 Mill. Euro) mit Medikamenten zur Therapie von Erkrankungen des Zentralen-Nerven-Systems erfolgreich. Daneben werden Arzneimittel, vor allem in den Indikationsbereichen Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Erkrankungen vermarktet.

Mit insgesamt knapp einer Milliarde Euro Umsatz wird Schwarz Pharma auf längere Sicht jedoch einfach zu klein sein. Allein die Auseinandersetzung um Rechte, Patente und Lizenzen beschäftigt Heerscharen von Juristen, erklärte Vorstandsvorsitzender Patrick Schwarz-Schütte auf der Hauptversammlung. Schwarz gibt für „die branchenüblichen Rechtsstreitigkeiten“ (Patrick Schwarz-Schütte) allein jährlich rund 16 Millionen Euro aus. Die Forschungsaufwendungen bis zur endgültigen Zulassung eines Medikaments sind immens hoch, bis zu 800 Mill. Euro werden veranschlagt.

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