Familienunternehmen Boehringer
Acht Milliarden für die Unabhängigkeit

Der Pharmakonzern Boehringer hat eine pralle Kasse und kämpft mit schwachem Wachstum. Er setzt gleichwohl unbeirrt auf Forschung und organisches Wachstum. Das Ziel: eine kritische Masse.
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FrankfurtNach zwei Jahren mit deutlichen Umsatzeinbußen will das finanzstärkste deutsche Familienunternehmen,  der Pharmahersteller Boehringer Ingelheim, wieder auf Wachstumskurs gehen. „Wir haben die wichtigsten Problemfelder der vergangenen Jahre bewältigt und befinden uns wieder in einer guten Position für künftiges Wachstum“, sagte Firmenchef Andreas Barner  bei Vorlage der Geschäftszahlen für 2014.

Nachdem im vergangenen Jahr der Umsatz überraschend stark um fünf Prozent auf 13,3 Milliarden Euro schrumpfte, stellt Barner für 2015 eine moderate Umsatzsteigerung  und höhere operative Erträge in Aussicht. Er setzt dabei auf eine relativ große Zahl an Neueinführungen, die im vergangenen Jahr erfolgten oder noch geplant sind.  Unter anderem hat Boehringer neue Diabetes, Krebs- und Asthmamittel auf den Markt gebracht.

Der Ingelheimer Konzern investiert jährlich rund 2,6 Milliarden Euro in die Produktentwicklung und leistet sich damit, vor Bayer, das größte F+E-Budget der deutschen Pharmabranche. Ungeachtet diverser Probleme in den letzten Jahren befindet er sich zudem finanziell in einer ausgezeichneten Verfassung. Im operativen Geschäft erwirtschaftet das Unternehmen  jährlich etwa 1,4 Milliarden Euro an freiem Cash-Flow (nach Sachinvestitionen). Es verfügt inzwischen über liquide Mittel von 8,5 Milliarden Euro sowie eine Netto-Cash-Position von gut 7,5 Milliarden Euro.  Kein anderer deutscher Industriekonzern ist derart stark finanziert.

Ungeachtet der üppigen Reserven soll sich an der grundlegenden Strategie, die fast ausschließlich auf organisches Wachstum setzt, aber nichts ändern. „Unser oberstes Ziel war und ist die Unabhängigkeit des Unternehmensverbandes“, betonte Finanzchef Hubertus von Baumbach, der die Gründerfamilie in der Geschäftsführung von Boehringer repräsentiert. Die Liquidität sichere nicht nur die Unabhängigkeit, sie gebe auch „finanzielle Flexibilität, die wir für künftiges Wachstum benötigen.“ Akquisitionen

Ein Teil der Finanzreserven steht, wie von Baumbach deutlich machte, theoretisch auch für Zukäufe  zur Verfügung. Dabei gehe es aber allenfalls  darum, das organische Wachstum zu stärken durch gezielte Akquisitionen „entlang dieser Strategie“.

Das vergangene Jahr dagegen entpuppte sich für den zweitgrößten deutschen Pharmahersteller als unerwartet schwierig.  Die Prognose eines stabilen Umsatzes musste der Konzern zur Jahresmitte revidieren. Der Konzernumsatz sank um fünf Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. Das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten schrumpfte um sieben Prozent auf 10,1 Milliarden Euro.

Währungsbereinigt errechne sich  ein Minus von fünf Prozent. Boehringer  gehörte 2014 damit neben Eli Lilly, Glaxo Smithkline (GSK) und Pfizer zu den wachstumsschwächsten Unternehmen im Pharmasektor und ist dadurch auch deutlich gegenüber dem heimischen Konkurrenten Bayer zurückgefallen,  der währungsbereinigt rund elf Prozent zulegte.

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