Familienunternehmen Casio
Greise Tüftler mit eisernem Willen

Im Gegensatz zum Konkurrenten Sony, der die Welt mit Konsumelektronik eroberte und kräftig expandierte, konzentrierte sich der Elektronikhersteller Casio auf Kernprodukte – und blieb sich selber als Familienunternehmen treu. Wie die vier Brüder Kashio seit mehr als 50 Jahren Casio führen und immer wieder Neues erfinden.

TOKIO. Wenn Kazuo Kashio den Raum betritt, dann sieht man ihm seine 80 Jahre allenfalls an einer gewissen Steifheit an. Er hält sich absolut gerade und ist ein schneller und pfiffiger Gegner. Vor allem aber kennt er sich mit der neuesten Technik aus. Er schwärmt von den verborgenen Funktionen seiner Handys, die ansonsten vermutlich nur Teenager kennen. Er spielt gerne das Brettspiel Go – aber nicht etwa am traditionellen Holzbrett, sondern übers Internet gegen weit entfernte Gegner. Das muss so sein, denn seine Firma lebt davon, technisch vorn zu liegen, und Kashio ist als CEO eng in die Produktentwicklung eingebunden.

Hier in der Chefetage des Rechnerherstellers Casio in der Tokioter Innenstadt gibt es keinen Design-Firlefanz, sondern konservative Möbel aus schwerem Holz. Casio verschwendet kein Geld für Nebensächlichkeiten. Dafür bieten die Panoramafenster den Blick über die Stadt mit ihren Wolkenkratzern über den Dächern niedriger Holzhäuser und den roten Toren von Shinto-Schreinen. Hier erzählt Herr Kashio, was es mit ihm, seinen Brüdern und dem Unternehmen auf sich hat, das ihren Namen trägt. Denn Casio – das ist bloß Kashio in anderer Schreibweise.

Wurde der Elektronikhersteller Casio nur wenige Jahre nach Sony gegründet, so entwickelten sich beide in den folgenden Jahrzehnten ganz verschieden. Während der große Konkurrent die gesamte Welt der Konsumelektronik eroberte und kräftig expandierte, konzentrierte sich Casio auf Kernprodukte – und blieb sich als Familienunternehmen treu. Mit Erfolg: Das kleinere Unternehmen Casio legte auch im Krisenjahr 2008 einen operativen Gewinn hin. Die Fokussierung und Sparsamkeit des Familienunternehmens zahlt sich aus. Der Gigant Sony dagegen sank tief in die roten Zahlen.

„Wir wissen sofort, ob sich ein Produkt verkaufen lässt oder nicht“, begründet Kazuo Kashio seinen Erfolg. Er, der gerade 80 Jahre alt geworden ist, hat das Unternehmen vor über 50 Jahren zusammen mit seinen Brüdern gegründet und ist heute sein Präsident und CEO. Casio gehört zwischen Nippons Elektrokonzernen zu den kleinen, wendigen Spielern und macht vier Milliarden Euro Umsatz. Doch das Unternehmen sieht sich selbst als Mittelständler – trotz seiner 13 000 Mitarbeiter: „Wie ein Großunternehmen fühlt es sich nicht an“, findet Kashio.

Kein Wunder, denn noch heute führen drei Brüder die Firma. Kazuo zeigte schon immer ein Händchen fürs Geschäft – er leitet und repräsentiert die Firma. Sein jüngerer Bruder Yukio war stets gut darin, die Produktion effizient und kostengünstig zu organisieren. Er ist der Vizechef. Der ältere Bruder Toshio dagegen leitete schon lange die Entwicklungsabteilung, hat nun aber den Posten des Chairmans.

Der Vierte im Bunde, Tadao, verstarb 1993. Von ihm ging einst die Initiative für die Firmengründung aus, er hat Casio anfangs geleitet. „Unser Geheimnis ist, dass jeder in seiner Rolle Vollprofi ist. Wir sind in unseren Aufgaben besser, als jeder externe Manager es wäre“, urteilt Kazu Kashio.

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