Familienunternehmen greift nach Dax-Konzern
Conti steckt in Schaefflers Fängen

In der Automobilzuliefererindustrie kommt es zu einer Übernahmeschlacht von neuer Dimension. Die Schaeffler KG aus Herzogenaurach veröffentlichte am Dienstag Nachmittag ein offizielles Übernahmeangebot für die Continental AG aus Hannover.

DÜSSELDORF. Damit schickt sich der Familienkonzern aus Herzogenaurach an, den etwa dreimal größeren, börsennotierten Dax-Konzern aus Niedersachsen gegen den Willen des Conti-Managements zu schlucken. Schaeffler bietet den Conti-Eigentümern 69,37 Euro je Aktie und damit insgesamt mehr als 11 Mrd. Euro. Das entspricht ungefähr dem Preis, den das Papier am Dienstag an der Börse wert war, und ist exakt der Durchschnittspreis der letzten drei Monate, der offiziell von der Finanzaufsicht bei Übernahmeangeboten eingefordert wird.

Schaeffler betonte, Conti solle „als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen im Ganzen bestehen bleiben“. Damit widersprach das Unternehmen Vermutungen, man wolle Conti von der Börse nehmen und zerschlagen. „Schaeffler unterstützt die Strategie von Continental ausdrücklich, auch in Bezug auf das Reifengeschäft“, sagte Jürgen Geißinger, Vorsitzender der Schaeffler-Geschäftsleitung.

Sein Unternehmen biete Conti als langfristig orientierter Großaktionär die Stabilität und Sicherheit, den Kurs des Konzerns auch in einem schwierigen Marktumfeld fortzuführen, warb Geißinger bei den Aktionären um Vertrauen. Conti erklärte, das Angebot zu prüfen und sich zu „gegebener Zeit“ zu melden.

Geißinger erklärte daraufhin, er könne nicht verstehen, warum das Conti-Management noch nicht zugestimmt habe. „Es ist nicht an uns zu sagen, ob das Angebot feindlich ist.“

Kurz vor der Veröffentlichung des offiziellen Angebots waren Gespräche zwischen dem Conti-Vorstand und der Schaeffler-Führung gescheitert. Nach Informationen des Handelsblatts hatte Conti dem Konkurrenten eine langfristige Zusammenarbeit angeboten, sofern sich Schaeffler mit einer Beteiligung von 20 Prozent zufriedengebe. Dies aber hatten die Franken abgelehnt. Wenig später bestätigte Schaeffler im offiziellen Übernahmeangebot ein Bericht des Handelsblatts vom Vortag, wonach die Gruppe bereits direkt und indirekt Zugriff auf 36 Prozent des Conti-Kapitals besitzt.

Marktbeobachter erklärten, der von Schaeffler gebotene Preis bewege sich im Rahmen der Erwartungen. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Übernahmeangebots schoss die Conti-Aktie jedoch weiter in die Höhe und stieg bis auf gut 72 Euro.

Beobachter sprachen von einer „sehr professionellen Aktion“ des Familienunternehmens aus Franken. „Hier geht es nicht darum, ob der Kleinere den Größeren schluckt, sondern darum, dass der Schnellere sich den Langsameren schnappt“, sagte Brun-Hagen Hennerkes, Anwalt und Berater von Familienunternehmern. Auch Maria-Elisabeth Schaeffler, Miteigentümerin und Firmenmatriarchin, verweist gerne darauf, dass Schaeffler von den „operativen Vorteilen kurzer Entscheidungswege“ profitiere.

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