Faraday Scheitert der chinesische Tesla-Killer?

Die großspurigen Ankündigungen des Elektroautobauers Faraday Future könnten sich als Luftnummer entpuppen. Offenbar muss der chinesische Tesla-Killer seine Expansionspläne mächtig eindampfen.
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Investor Jia Yueting (l.) und Entwicklungschef Nick Sampson (r.) auf der CES in Las Vegas. Quelle: AP
Faraday

Investor Jia Yueting (l.) und Entwicklungschef Nick Sampson (r.) auf der CES in Las Vegas.

(Foto: AP)

Noch vor wenigen Wochen standen Entwicklungschef Nick Sampson und Investor Jia Yueting gemeinsam auf der Bühne der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, um alle Zweifel zu zerstreuen. Schon damals kursierten Gerüchte über eine finanzielle Schieflage von Faraday Future. Doch der FF91, den das chinesische Elektro-Start-up auf die Bühne schob, sollte der versammelten Tech-Welt beweisen, dass der selbsternannte Tesla-Killer aus China weiter an der Eroberung des Automarktes arbeitet.

Wenige Woche später scheinen diese tollkühnen Träume zu zerplatzen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Unternehmenskenner, dass Faraday Future seine Pläne derzeit massiv zusammenstreichen muss.

Statt sieben – wie bislang angekündigt – sollen demnach nur zwei neue Modelle entwickelt und auf den Markt gebracht werden. Eigentlich wollten die Chinesen in den kommenden Jahren Elektroautos in allen Größen anbieten – vom Supersportwagen bis zum Kleinwagen für Pendler.

Faradays Fantasiemobile
Als Highspeed-Lounge auf Rädern präsentiert sich das erste Serienmodell von Elektroauto-Newcomer Faraday Future
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Extrem schnell, dabei außergewöhnlich geräumig und dazu auch noch emissionsfrei im Betrieb – der amerikanische-chinesische Elektroauto-Newcomer Faraday Future hat sein erstes Serienauto vorgestellt. Der nun im Rahmen der Elektronikmesse CES in Las Vegas präsentierte FF 91 soll 2018 auf den Markt kommen und vor allem Teslas Model X alt aussehen lassen. Doch bei Auto und Unternehmen gibt es derzeit noch viele Fragezeichen ...

Welchen Betrag der erste Kunde investieren muss, um in den Genuss des 5,25 Meter langen FF 91 zu kommen, ist noch unklar
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Bislang nennt das Unternehmen nur den Preis für die Vorab-Reservierung; 5.000 Dollar werden dafür fällig. Wie viele Autos pro Jahr gebaut werden sollen, ist ebenfalls noch unbekannt. Interessenten sollten wohl nicht allzu euphorisch sein.

Auch, weil die Firma zuletzt eher negative Schlagzeilen gemacht hat, etwa mit Gerüchten um Geldknappheit und dem Weggang von Führungskräften. Auch einer der Unternehmensgründer ist wenige Tage vor der Premiere abgesprungen...

Doch das mit chinesischen Millionen gegründete Start-up nimmt den Mund schon mal richtig voll:
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Vom "smartesten Auto der Welt", dem "beste Computer auf Rädern" und natürlich dem "leistungsstärksten Elektrofahrzeug aller Zeiten", spricht die Unternehmens-PR. Das muss wohl sein, den man will nicht nur direkten Konkurrenten wie Modell S und Modell X von Tesla die Schau stehlen, sondern etablierte Luxusliner von der Mercedes S-Klasse über den Bentley Bentayga bis zum Ferrari 488 als aussehen lassen...

Äußerlich präsentiert sich der FF91 als Mischung aus SUV und Van
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Prägendes Stilelement ist neben einer an BMW i-Modelle erinnernden Designsprache das durchgängige Scheinwerferband an der Front. Auch die Heckleuchten ziehen sich über die gesamte Fahrzeugbreite.

Das Lidar-Radar für autonome Fahrfunktionen fährt aus der Fronthaube
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Innen sollen zwei Liegesessel im Fond zusammen mit einem gigantischen Radstand von 3,20 Metern für Business-Class-Ambiente sorgen, ein abdunkelndes Glasdach schützt die Ruhenden vor Blicken. Zudem sollen alle Insassen von der laut Hersteller bislang schnellsten Internetanbindung im Auto profitieren.

Der FF 91 will aber mehr sein als eine Luxuslounge auf Rädern. Der Antrieb etwa würde auch einem Supersportwagen Ehre machen: Die Elektromotoren des Allrad-Crossovers leisten zusammen 1.050 PS und stellen ein Drehmoment von 1.500 Nm zur Verfügung. Tempo 100 wird so bereits nach 2,4 Sekunden erreicht.

Panne bei der Premiere
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Doch Skepsis erscheint angebracht, wenn Entwicklungschef Nick Sampson sagt, "... wir bauen das erste Auto einer ganz neuen Art und machen alle anderen Fahrzeuge überflüssig." Als der chinesische Digital-Milliardär und Großinvestor Jia Yueting die revolutionäre Selbstparkfunktion des neuen Elektroautos live auf der CES-Bühne testen sollte, drückte er ein wenig an der Fahrertür des Wagens herum, doch der reagierte nicht.

Irgendwann gab er Sache auf. “Wie ich sehe, ist das FF91 noch ein bisschen lazy”, flötete Sampson und versuchte die Situation zu überspielen. Doch die Angelegenheit war an Peinlichkeit kaum zu überbieten. 

Faraday FFZero1
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Mit dem chinesischen Geld von Jia Yueting war Faraday binnen nicht einmal fünf Jahren von einem Start-Up mit drei Dutzend Mitarbeitern zu einer 1400-Mann-Firma gewachsen ist. Und man kündigte an, vor den Toren von Las Vegas eine riesige Fabrik aus dem Boden zu stampfen, um die großspurig angekündigten Elektroautos zu bauen.

Doch mittlerweile schuldet Faraday den beteiligten Bauunternehmen rund 45 Millionen Dollar, wie der Nachrichtendienst Bloomberg Anfang Dezember berichtete, die Bauarbeiten ruhen derzeit. Viele von anderen Herstellern abgeworbene Experten sollen abgesprungen sein ...

Doch daraus wird nach Angaben von Reuters wohl nichts. Neben dem FF91, jenem Flaggschiff, dass Faraday auf der CES präsentiert hat, soll wohl nur noch ein Crossover mit dem Namen FF81 entwickelt werden.

Und auch die Fertigung im Norden von Las Vegas soll nach Aussagen eines offiziellen Vertreters der Stadt deutlich kleiner ausfallen als bisher angenommen. Eigentlich sollte hier ein Werk für 1,3 Milliarden Dollar entstehen, in dem ab 2017 rund 150.000 Autos gebaut werden sollten. Stattdessen beruft sich Reuters auf einen Insiderquellen, nach denen die Kapazität des neuen Werks zum Start auf 10.000 schrumpfen soll. Eröffnet werde das Werk nicht vor 2019, heißt es.

„Wir stehen weiterhin zum Staat Nevada und werden in den kommenden Jahren eine Milliarde Dollar investieren“, erklärt Faraday in einem Statement. Doch auf ein Eröffnungsdatum will man sich nicht festlegen. Die Bauarbeiten hatte das Unternehmen im Herbst gestoppt.

Stattdessen könnten die meisten Modelle von Faraday in China produziert werden, heißt es weiter. Die chinesischer Schwestermarke LeSee baue derzeit ein Werk in der chinesischen Provinz Zhejiang mit einer Kapazität von 450.000 Fahrzeugen. Dort könnten ab 2019 auch die Autos von Faraday Future vom Band laufen.

Darüber hinaus bleiben die Finanzprobleme akut. Mehrere Zulieferer haben Faraday wegen unbezahlter Rechnungen verklagt, darunter der Sitzhersteller Futuris und das Medienunternehmen Mill Group.

Neben Finanzproblemen soll Faraday Future auch unter dem Abgang seines Spitzenpersonals zu leiden haben. Mindestens ein Dutzend hochrangiger Angestellter in den USA sollen das Unternehmen in den vergangenen neun Monaten verlassen haben.

Eigentlich hatten die Finanziers von Faraday Future, die chinesischen Unternehmen Leshi Internet Information und Technology Corp, das Ziel ausgegeben, bis zum Börsengang im Jahr 2020 eine Million Fahrzeuge in den USA und China abzusetzen. Doch das dürfte angesichts der jüngsten Entwicklungen nur noch schwer zu erreichen sein.

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